Bilaterale Beziehungen Schweiz–Sierra Leone

Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Sierra Leone konzentrieren sich seit den 1960er-Jahren auf Umschuldungen. Die Schweiz leistete während des Bürgerkriegs der 1990er-Jahre humanitäre Hilfe und engagiert sich für den 2002 eingerichteten Sondergerichtshof der Vereinten Nationen für Sierra Leone.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Seit den 1960 er-Jahren unterzeichneten die Schweiz und Sierra Leone mehrere Umschuldungsabkommen. 2007 erliess die Schweiz dem Land die gesamten Schulden. 2004 wurde zudem ein Protokoll zu Migrationsfragen unterzeichnet.

Bilaterale Abkommen

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Der Handel zwischen der Schweiz und Sierra Leone ist gering. 2011 importierte die Schweiz land- und forstwirtschaftliche Produkte, Chemikalien und Kautschuk im Wert von CHF 0.8 Mio. Die Exporte nach Sierra Leone betrugen im gleichen Zeitraum CHF 1.8 Mio. und betrafen Produkte der Pharmaindustrie, Metallwaren, Maschinen und Apparate.

Handelsförderung (Switzerland Global Enterprise)

Zusammenarbeit im Bildungsbereich

Forschende und Kulturschaffende aus Sierra Leone können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben.

Schweizer Bundesstipendien

Friedensförderung und menschliche Sicherheit

Die Schweiz unterstützt den 2002 geschaffenen Sondergerichtshof der Vereinten Nationen für Sierra Leone. Dieses Gericht ahndet Verbrechen, die im Bürgerkrieg begangen wurden.

Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Die Schweiz leistete während des Bürgerkriegs 1991–2002 humanitäre Hilfe und unterstützte das Land in der Nachkriegszeit beim Wiederaufbau.

Schweizerinnen und Schweizer in Sierra Leone

1920, auf dem Höhepunkt des wirtschaftlichen Aufschwungs, lebten rund 100 Schweizerinnen und Schweizer im Land. Im Jahr 2015 waren es 17.

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erlebte die britische Kolonie Sierra Leone einen wirtschaftlichen Aufschwung, der auch Schweizer Unternehmen ins Land brachte. Schweizerinnen und Schweizer arbeiteten für Handelsgesellschaften, für die Hotellerie und in Kleinbetrieben. Nach der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre und wegen der politischen Instabilität verliessen viele Schweizer Unternehmer das Land.

Mit der Übernahme einer Bauxit-Mine bildete Alusuisse ab 1963 das Rückgrat der Schweizer Präsenz. Der Bürgerkrieg in den 1990er-Jahren und der Verkauf der Alusuisse führten erneut zur Abwanderung der Schweizerinnen und Schweizer.

Die Schweiz eröffnete bereits 1920 ein Konsulat in Freetown, das nach der Unabhängigkeit in ein Generalkonsulat umgewandelt wurde. Das Generalkonsulat wird von einem Honorarvertreter geführt.

Am 17. April 1961 anerkannte die Schweiz die Unabhängigkeit des Landes. 1962 folgte die Aufnahme er diplomatische Beziehungen.
Zwischen 1984 und 2007 wurden mehrere Umschuldungs- und Schuldenerlassabkommen zwischen der Schweiz und Sierra Leone unterzeichnet.

Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz