Gültig am:
Publiziert am: 22.02.2019

Das Kapitel Aktuelles ist ergänzt worden: Es muss damit gerechnet werden, dass am Wahltag (23.02.2019) landesweit ein allgemeines Fahrverbot gilt.


Reisehinweise für Nigeria

Diese Reisehinweise entsprechen der aktuellen Lagebeurteilung des EDA. Sie werden laufend überprüft und bei Bedarf angepasst.
Beachten Sie auch die nebenstehenden länderunabhängigen Reiseinformationen und die Fokus-Themen; sie sind Bestandteil dieser Reisehinweise.

Aktuelles

Die für den 16. Februar 2019 geplanten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sind auf den 23. Februar 2019 verschoben worden. Die verschiedenen, für den 2. März 2019 geplanten, Lokalwahlen sind auf den 9. März 2019 verschoben worden. Vor, während und nach den Wahlen muss im ganzen Land mit Kundgebungen gerechnet werden. Ausschreitungen und gewaltsame Zusammenstösse zwischen Demonstranten und den Sicherheitskräften können dabei nicht ausgeschlossen werden.

Es muss damit gerechnet werden, dass am Wahltag landesweit ein allgemeines Fahrverbot gilt.

Verfolgen Sie vor und während der Reise die Entwicklung der Lage in den Medien und meiden Sie grössere Menschenansammlungen und Kundgebungen jeder Art. Lassen Sie erhöhte Wachsamkeit walten und befolgen Sie die Anweisungen der Behörden (Ausgangssperren etc.).

Beachten Sie auch die nachstehenden Informationen und Empfehlungen.

Grundsätzliche Einschätzung

Bei Reisen nach Nigeria ist der persönlichen Sicherheit grosse Aufmerksamkeit zu schenken. Reisen sollten nur in Begleitung einer ortskundigen Vertrauensperson unternommen werden. Von Reisen in einzelne Landesteile wird abgeraten.

In Nigeria können jederzeit lokale Konflikte politischer, sozialer oder religiöser Natur aufflammen. Dabei kommt es oft zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Volksgruppen oder zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften; häufig sind Todesopfer zu beklagen.

Die Kriminalitätsrate ist vor allem in den städtischen Agglomerationen hoch.

Das Risiko von terroristischen Akten besteht im ganzen Land. Sprengstoff-Anschläge sowie bewaffnete Zusammenstösse zwischen den Sicherheitskräften und Terroristen oder anderen bewaffneten Gruppierungen fordern in mehreren Bundesstaaten regelmässig Todesopfer und Verletzte, vor allem im Norden und Middle Belt (einschliesslich Abuja). Zu den möglichen Zielen von Terrorangriffen zählen öffentliche und touristische Einrichtungen sowie grosse Menschenansammlungen, z.B. belebte Märkte, Einkaufszentren, öffentlicher Verkehr (Bus-, Bahn- und Flugverkehr), Sportveranstaltungen, kulturelle Anlässe, religiöse Stätten, Nachtlokale, bekannte internationale Hotels, beliebte Restaurants.

Im ganzen Land besteht das Risiko von politisch oder kriminell motivierten Entführungen. Geiselnahmen mit Lösegeldforderungen sind in der Delta Region im Süden und Südwesten besonders häufig. Es kommt aber auch im Norden zu Entführungen.
Beachten Sie auch die Rubrik Terrorismus und Entführungen.
Terrorismus und Entführungen

Informieren Sie sich vor und während der Reise in den Medien über die aktuelle Sicherheitslage. Meiden Sie Kundgebungen und grössere Menschenansammlungen, denn diese können rasch und ohne ersichtlichen Grund ausarten. Lassen Sie erhöhte Wachsamkeit walten und befolgen Sie die Anweisungen der Behörden (Ausgangssperren etc.).

Spezifische regionale Risiken

Bei der Beschreibung von Gefahrenzonen handelt es sich um ungefähre Angaben; Risiken lassen sich nicht auf exakt umrissene Gebiete einschränken.

Delta Region:
In den Ölförderungsgebieten sind Unruhen und Entführungen häufig.
Beispiele:

  • Im Oktober 2017 wurden vier britische Missionare in der Delta Region entführt; einer davon wurde getötet.
  • Im Oktober 2017 wurde ein italienischer Priester im Edo State entführt
  • Am 22. Juni 2016 wurden in Calabar (Cross River) fünf Ausländer und zwei lokale Personen entführt.

In Port Harcourt, der Hauptstadt des Rivers State, gibt es ausserdem immer wieder bewaffnete Auseinandersetzungen. Es wird abgeraten von Reisen in die Bundesstaaten Abia, Rivers, Delta, Bayelsa, Ebonyi, Akwa Ibom, Cross River, Imo, Anambra und Edo.

Nördliche Landeshälfte:
In mehreren nördlichen Bundesstaaten kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, die bereits Tausende von Todesopfern gefordert haben. Die Sicherheitskräfte haben ihre Präsenz, dort wo sie noch die Kontrolle ausüben, massiv verstärkt. Weitere Anschläge sind zu erwarten.

Insbesondere in den Bundesstaaten Borno, Adamawa und Yobé und im umliegenden Gebiet ist das Entführungsrisiko für einheimische und ausländische Personen sehr hoch.
Beispiele:

  • Im Januar 2018 wurden im Kaduna State zwei kanadische und zwei amerikanische Staatsangehörige entführt.
  • Im Dezember 2017 wurden in Ondo vier chinesische Staatsbürger entführt.
  • Im Juni 2017 wurde ein chinesischer Ingenieur in der Nähe von Okpella entführt.
  • Im Juli 2014 wurde der deutsche Leiter einer technischen Schule, im Adamawa State entführt.
  • Im April 2014 wurden 200 Schulmädchen aus ihrer Internatsschule im Borno State entführt.
  • Im Februar 2013 wurden in Jama'are (Bauchi State) sieben ausländische Mitarbeiter einer Strassenbaufirma entführt.

Von Reisen in die Bundesstaaten Kaduna, Sokoto, Katsina, Kano, Bauchi, Gombe, Adamawa, Borno und Yobe wird abgeraten. Von touristischen und anderen nicht dringenden Reisen in die anderen Bundesstaaten der nördlichen Landeshälfte wird abgeraten.

Abuja (Federal Capital Territory): Auch in der Bundeshauptstadt Abuja haben Anschläge wiederholt zahlreiche Todesopfer und Verletzte gefordert. Betroffen waren unter anderem ein beliebter Fischmarkt, das Polizeihauptquartier und das Hauptquartier der UNO, sowie Busbahnhöfe und -haltestellen in einem Aussenquartier. Im Juni 2014 forderte ein Anschlag auf den auch von Ausländern frequentierter Marktkomplex Emab Plaza im Stadtzentrum über zwanzig Todesopfer. Im Oktober 2015 kamen mehrere Personen bei einem Anschlag auf einen Markt und eine Polizeistation ums Leben. Weitere Anschläge sind zu erwarten. Lassen Sie besondere Vorsicht walten.

Plateau State, Nasarawa und Kogi: Bei Anschlägen und Zusammenstössen zwischen Christen und Muslimen kommt es immer wieder zu vielen Todesopfern und Verletzten. Es kommt zu lokalen bewaffneten Konflikten zwischen sesshaften Bevölkerungsgruppen und durchziehenden Nomaden. Die Auseinandersetzungen sind Ausdruck ständig schwelender Spannungen. Am 20. Mai 2014 wurden bei einem Doppelanschlag auf einen stark besuchten Markt in Jos über zweihundert Menschen getötet und zahlreiche verletzt. Im Bundesstaat Kogi besteht ausserdem ein erhöhtes Entführungsrisiko. Zum Beispiel wurde in Oktober 2017 ein portugiesischer Mitarbeiter einer Baufirma entführt. Von Reisen in die Bundesstaaten Plateau State, Nasarawa und Kogi wird abgeraten.

Auch bei Reisen in Bundesstaaten, die oben nicht spezifisch erwähnt sind, ist grösste Vorsicht geboten. Reisen Sie vorzugsweise mit dem Flugzeug, und lassen Sie sich von einer ortskundigen Vertrauensperson begleiten. 

Kriminalität

Die Kriminalitätsrate ist im ganzen Land hoch. Es besteht das Risiko von Entführungen mit Lösegeldforderungen. Brutale bewaffnete Raubüberfälle (auf der Strasse und zu Hause), Vergewaltigungen, Betrug, Auto- und andere Diebstähle sind weit verbreitet. Auch in Hotels und Restaurants ereignen sich Diebstähle. Besonders in entlegenen Gebieten kommt es vor, dass Kriminelle sich als Sicherheitskräfte ausgeben und teilweise sogar Uniformen tragen. Diese Umstände zwingen Reisende zu grösster Vorsicht. Beachten Sie unter anderem nachstehende Vorsichtsmassnahmen:

  • Lassen Sie sich unbedingt von einer ortskundigen Vertrauensperson am Flughafen abholen und ins Hotel sowie auf Reisen begleiten. Dies gilt vor allem - aber nicht nur - für Lagos, da sich im Umfeld des Flughafens viele dubiose Dienstleister aufhalten.
  • Auf Landstrassen besteht Überfallgefahr. Unternehmen Sie deshalb unumgängliche Überlandfahrten in Gruppen von mehreren Fahrzeugen, und verzichten Sie nachts ganz darauf.
  • Tragen Sie keine Wertgegenstände (Uhren, Schmuck) auf sich.
  • Setzen Sie Ihre Kreditkarte - wenn überhaupt - mit Vorsicht ein; Missbrauch ist vor allem bei kleineren Geschäften verbreitet.
  • Benutzen Sie nach Möglichkeit keine öffentlichen Verkehrsmittel (Bahn, Busse, Taxis).
  • Leisten Sie bei einem Überfall keinen Widerstand, denn die Gewaltbereitschaft ist hoch.
  • Seien Sie vorsichtig mit Kontakten über das Internet. Es kommt vor, dass Kriminelle unter dem Vorwand, eine Freundschaft oder Geschäftsbeziehung anbahnen zu wollen, Personen ins Land locken, diese dann bedrohen oder entführen, um Geld zu erpressen.

Es kommt immer wieder zu Betrügereien aus Westafrika, bei denen die Opfer per E-Mail und unter Vorgabe von Gründen aller Art zu Geldzahlungen oder Vorschussleistungen angehalten werden. Häufig stecken Betrüger dahinter, wenn:

  • Sie jemand wegen eines medizinischen oder anderen Notfalles (Raubüberfall, Verhaftung, Problem mit Behörden, Visumproblem etc.) um eine rasche Geldüberweisung bittet;
  • Sie um die Angabe von Bankverbindungen gebeten werden, um Erbschaften und andere Gelder zu überweisen
  • Sie Angebote erhalten, welche einen hohen Gewinn versprechen
  • Sie offiziell aussehende Beweisdokumente zugesandt erhalten. Solche sind oftmals gefälscht.

In den nigerianischen Gewässern und Häfen gibt es häufig Fälle von Piraterie. Beachten Sie die spezifischen Informationen:
Maritime Piraterie

Verkehr und Infrastruktur

Es kommt vor, dass die Grenzübergänge kurzfristig vorübergehend geschlossen werden, z.B. um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern. Informieren Sie sich bei den lokalen Behörden oder direkt bei den Grenzposten.

Die periodisch auftretende Energieknappheit (Benzin, Diesel und Elektrizität) führt immer wieder zu temporären Verkehrszusammenbrüchen; dies erschwert eine zuverlässige Planung von Reisen stark. Die Elektrizitätsversorgung ist nicht immer gewährleistet.

Viele Strassen sind in schlechtem Zustand und während der Regenzeit oft unpassierbar: im Süden von April bis Oktober, im Norden von Mai bis September.
Die Missachtung und Unkenntnis der Verkehrsregeln und das unvorhersehbare Verhalten vieler Verkehrsteilnehmer bildet ein zusätzliches Risiko. Bei Unfällen mit Verletzten müssen Repressalien resp. Vergeltungsmassnahmen der Bevölkerung befürchtet werden. Es ist deshalb ratsam, nach Möglichkeit weiterzufahren und sich beim nächsten Polizeiposten zu melden. Statt selbst ein Auto zu lenken, mieten Sie vorzugsweise einen Wagen mit Chauffeur (vgl. auch Vorsichtsmassnahmen weiter oben).

Die Sicherheit und Wartung der meisten nigerianischen Flugzeuge entspricht nicht europäischem Standard. Es kam zu mehreren Flugunfällen.

Besondere rechtliche Bestimmungen

Die Rechtsprechung kann sich in den einzelnen Bundesstaaten unterscheiden, unter anderem in Bezug auf den Verkauf und Konsum von Alkohol. Erkundigen Sie sich bei ortsansässigen Bekannten, Geschäftspartnern, Reiseleitern oder im Hotel über die lokal gültigen Bestimmungen.

Es ist verboten, militärischen Installationen, Flughäfen, Brücken, Bauten und Einrichtungen der Verwaltung und öffentliche Gebäude zu fotografieren. Es ist jedoch unklar, was alles unter diese Kategorien fällt. Es sind schon Personen verhaftet worden, obwohl sie die Erlaubnis zum Fotografieren erhalten hatten. Es ist deshalb ratsam, auf Aufnahmen in der Öffentlichkeit zu verzichten.

Gleichgeschlechtliche Handlungen werden mit Haftstrafen geahndet; in einzelnen Bundestaaten kann sogar die Todesstrafe verhängt werden. Gefängnisstrafen drohen ebenfalls Personen, die ihre Homosexualität öffentlich zeigen, sich für Organisationen zur Unterstützung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft einsetzen oder Gay-Clubs besuchen.

Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz werden mit hohen Haftstrafen geahndet (bis lebenslänglich).

Für gewisse Delikte kann die Todesstrafe verhängt werden, zum Beispiel für Mord, Vergewaltigung, bewaffneten Raubüberfall (mit und ohne Todesfolge) etc.

Die Haftbedingungen sind prekär: überfüllte Zellen, äusserst dürftige sanitäre Einrichtungen, mangelnde ärztliche Betreuung usw.

Kulturelle Besonderheiten

Die Bevölkerung Nigerias setzt sich aus über 400 ethnischen Gruppen zusammen. Während im Süden und Südosten die mehrheitlich christlichen Yoruba- und Ibo-Völker dominieren, überwiegen im Norden die muslimischen Hausa-Fulani. Passen Sie Ihr Verhalten und Ihre Kleidung den lokalen Gepflogenheiten an. Personen oder Personengruppen können aggressiv reagieren, wenn sie unerwartet und ohne Einwilligung fotografiert oder gefilmt werden. Informieren Sie sich in Reiseführern, bei Ihrem Reisebüro oder vor Ort über die Verhaltensregeln und die genauen Bestimmungen. Denken Sie daran, dass während des Ramadans besondere Regeln und Vorschriften zu beachten sind.

Naturbedingte Risiken

Im nördlichen Teil des Landes kommt es regelmässig zu Dürreperioden. Während der Regenzeit von März bis Oktober hingegen sind Überschwemmungen häufig. Beachten Sie die Wettervorhersagen sowie die Warnungen und Anweisungen der lokalen Behörden.

Medizinische Versorgung

Die medizinische Versorgung ist nicht immer gewährleistet. Krankenhäuser verlangen eine finanzielle Garantie, bevor sie Patienten behandeln (Kreditkarte oder Vorschusszahlung). Für die Behandlung ernsthafter Erkrankungen und Verletzungen empfiehlt sich die Rückkehr nach Europa.

Wenn Sie auf bestimmte Medikamente angewiesen sind, sollte Ihre Reiseapotheke einen ausreichenden Vorrat enthalten. Bedenken Sie jedoch: In vielen Ländern gelten besondere Vorschriften für die Mitnahme von betäubungsmittelhaltigen Medikamenten (z.B. Methadon) und Substanzen, mit denen psychische Erkrankungen behandelt werden. Erkundigen Sie sich gegebenenfalls vor der Abreise direkt bei der zuständigen ausländischen Vertretung (Botschaft oder Konsulat) und konsultieren Sie die Rubrik Reiselinks, wo Sie unter anderem weitere Informationen zu diesem Thema sowie generell zur Reisemedizin finden.
Über die Verbreitung von Krankheiten und mögliche Schutzmassnahmen informieren Ärzte und Impfzentren.

Besondere Hinweise

Tragen Sie Ihren Pass mit dem gültigen Visum jederzeit auf sich, um sich bei den häufigen Personenkontrollen ausweisen zu können. Kommen Sie bei Polizeikontrollen der Aufforderung anzuhalten unbedingt nach (rascher Waffeneinsatz).

Nützliche Adressen

Nigerianische Zollvorschriften: Nigerian Customs Service

Schweizer Vertretungen im Ausland: Wenn Sie im Ausland in eine Notlage geraten, können Sie sich an die nächste Schweizer Vertretung oder an die Helpline EDA wenden.

Schweizer Vertretungen in Nigeria
Helpline EDA

Ausländische Vertretungen in der Schweiz: Auskunft über die Einreisevorschriften (zugelassene Ausweise, Visum etc.) erteilen die zuständigen ausländischen Botschaften und Konsulate. Sie informieren auch über die Zollbestimmungen für die Ein- und Ausfuhr von Tieren und Waren: elektronische Geräte, Souvenirs, Medikamente etc.
Ausländische Vertretungen in der Schweiz

Ausschluss der Haftung
Die Reisehinweise des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) stützen sich auf eigene, als vertrauenswürdig eingeschätzte Informationsquellen. Sie verstehen sich als nützliche Hinweise zur sorgfältigen Planung einer Reise. Das EDA kann Reisenden aber den Entscheid und die Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung der Reise nicht abnehmen.
Gefahrensituationen sind oft nicht vorhersehbar, unübersichtlich und können sich rasch ändern. Das EDA übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit der Reisehinweise und für die Richtigkeit des Inhalts von verlinkten externen Internetseiten. Es lehnt jede Haftung für allfällige Schäden im Zusammenhang mit einer Reise ab. Forderungen im Zusammenhang mit der Annullierung einer Reise sind direkt beim Reisebüro oder der Reiseversicherung geltend zu machen.