Gültig am:
Publiziert am: 23.10.2019

Diese Reisehinweise sind vollständig überarbeitet worden.


Reisehinweise für Ägypten

Diese Reisehinweise entsprechen der aktuellen Lagebeurteilung des EDA. Sie werden laufend überprüft und bei Bedarf angepasst.
Beachten Sie auch die nebenstehenden länderunabhängigen Reiseinformationen und die Fokus-Themen; sie sind Bestandteil dieser Reisehinweise.

Grundsätzliche Einschätzung

Trotz einer sichtbaren Stabilisierung in den letzten Jahren sind politische Auseinandersetzungen und gewaltsame Proteste nicht ausgeschlossen. Es bestehen latente Spannungen zwischen verschiedenen Religionsgemeinschaften, die immer wieder zu Gewaltakten führen können. Grosse wirtschaftliche und soziale Probleme sind ungelöst, z.B. die hohe Arbeitslosigkeit und Preissteigerungen bei Produkten des täglichen Bedarfs.

Trotz erhöhter Sicherheitsmassnahmen besteht das Risiko von Terroranschlägen jederzeit im ganzen Land, dies schliesst auch die Badeorte mit ein. Seit 2017 gilt das Notstandsrecht. Mögliche Ziele von Anschlägen sind sowohl Einrichtungen und Fahrzeuge von Sicherheitskräften und religiöse Minderheiten, als auch touristische Einrichtungen und Verkehrsmittel. Wiederholt sind Anschläge verübt worden, bei denen auch Touristen starben oder verletzt wurden. Beispiele von Anschlägen:

  • In der Nacht vom 4. auf den 5. August 2019 forderte ein Anschlag in Kairo zahlreiche Todesopfer und Verletzte.
  • Am 19. Mai 2019 wurden bei der Explosion eines Sprengsatzes in Gizeh mehrere ausländische Touristen verletzt.
  • Im Februar 2019 sind mehrere Personen getötet worden bei der Explosion eines Sprengsatzes in Kairo.
  • Am 28. Dezember 2018 starben bei der Explosion einer Bombe in Gizeh ausländische Touristen und ihr Reiseleiter. Mehrere Personen wurden verletzt.
  • Im Nordsinai werden regelmässig Anschläge verübt. Am 24. November 2017 forderte ein Anschlag auf eine Moschee in Al-Abed über 300 Todesopfer.
  • Am 14. Juli 2017 sind bei einem Messerangriff am Strand eines Hotels in Hurghada zwei Personen getötet und vier verletzt worden.
  • Am 9. April 2017 forderten zwei Bombenanschläge auf koptische Kirchen in Tanta und Alexandria über 40 Todesopfer und über 100 Verletzte.
  • Am 7. Januar 2016 wurde in der Nähe der Pyramiden von Gizeh in Kairo ein Touristenbus vor einem Hotel angegriffen.
  • Am 31. Oktober 2015 ist ein russisches Passagierflugzeug auf dem Flug von Sharm-el-Sheik nach St. Petersburg über der Sinai-Halbinsel abgestürzt; alle Insassen sind ums Leben gekommen. Verschiedene Informationsquellen weisen darauf hin, dass mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit eine Bombe an Bord die Absturzursache war.

Lassen Sie Vorsicht walten, besonders an öffentlichen Plätzen wie Busbahnhöfen, Metrostationen und Märkten sowie in der Nähe von Regierungsgebäuden, Polizeistationen, Militäreinrichtungen, religiösen Stätten (besonders an islamischen und christlichen Feiertagen), Museen oder anderen touristischen Sehenswürdigkeiten.

Beachten Sie auch die Rubrik
Terrorismus und Entführungen

Vor allem in den grossen Städten kann es zu Demonstrationen und Zusammenstössen mit den Sicherheitskräften kommen. Auch Streiks sind möglich. An Gedenktagen muss mit einer Zunahme von Demonstrationen und einem erhöhten Anschlagsrisiko gerechnet werden, zum Beispiel um den 25. Januar und zwischen dem 30. Juni und 3. Juli. Als Folge von lokalen Unruhen oder Sicherheitsmassnahmen können sich Verkehrsbehinderungen ergeben oder kurzfristige Programmänderungen notwendig werden.

Zusätzliches Spannungspotenzial bieten die komplexen Verhältnisse im Nahen Osten sowie die prekäre Sicherheitslage in Libyen. Ereignisse im Gazastreifen oder in Libyen können sich auf die ägyptischen Grenzgebiete auswirken.

Meiden Sie Demonstrationen und grosse Menschenansammlungen jeder Art und befolgen Sie die Empfehlungen Ihrer Reiseleitung sowie die Anweisungen der ägyptischen Sicherheitsbehörden (Absperrungen, Ausgangssperren etc.).

Spezifische regionale Risiken

Bei der Beschreibung von Gefahrenzonen handelt es sich um ungefähre Angaben; Risiken lassen sich nicht auf exakt umrissene Gebiete einschränken.

Westliche Wüste: In der westlichen Wüste sind Schmuggler und terroristische Gruppierungen aktiv, die von den Sicherheitskräften verfolgt und bekämpft werden. Es besteht das Risiko, dass unbeteiligte Personen durch Konfrontationen zwischen den Sicherheitskräften und kriminellen/ terroristischen Gruppierungen in Mitleidenschaft gezogen werden. Ausserdem besteht das Risiko von terroristischen Akten; auch Entführungen können nicht ausgeschlossen werden.
Der Zugang zu den Wüstengebieten ist bewilligungspflichtig und wird durch die ägyptischen Sicherheitskräfte kontrolliert. Zeitweise verbieten sie Ausländern Fahrten in die Wüste. Erkundigen Sie sich bei den lokalen Behörden über die Durchführbarkeit von Reisen.
Trotz Begleitung durch einen erfahrenen lokalen Reiseführer und vorgängige Erkundigungen bei den lokalen Behörden, kann eine stark erhöhte Gefährdung nicht ausgeschlossen werden.

Gouvernorat (Provinz) Nordsinai: Die Sicherheitslage im Gouvernorat Nordsinai ist äusserst instabil, dies schliesst auch das Grenzgebiet zum Gazastreifen mit ein. Es werden regelmässig Anschläge verübt und es kommt häufig zu Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften, terroristischen Gruppierungen und anderen bewaffneten Banden. Es besteht auch das Risiko von Entführungen. Von Reisen ins Gouvernorat Nordsinai wird abgeraten.

Gouvernorat (Provinz) Südsinai: Das Risiko von terroristischen Akten besteht auch im Gouvernorat Südsinai, einschliesslich der Badeorte. Unternehmen Sie Überlandfahrten, Ausflüge, Trekkingtouren etc. ausserhalb der Badeorte ausschliesslich in organisierten Gruppen und in Begleitung von erfahrenen lokalen Reiseführern. Vergewissern Sie sich, dass diese die aktuelle Sicherheitslage abgeklärt haben.

Südwesten des Landes und Grenzgebiet zu Sudan und Libyen: Im Grenzgebiet zum Sudan und Libyen sind Kriminelle und Schmuggler aktiv. In der Sahara und den angrenzenden Gebieten besteht ein hohes Risiko von Entführungen. Alle Grenzgebiete sind militärische Sperrzonen und dürfen nur mit einer Bewilligung der ägyptischen Behörden bereist werden. Von Reisen ins Dreiländereck Ägypten-Libyen-Sudan, einschliesslich Gilf el-Kebir und Gabal Uwainat, wird abgeraten. Beachten Sie die spezifischen Informationen:
Entführungsrisiko in der Sahara und Sahelzone 

Minenfelder: Es gibt in mehreren Landesteilen noch immer unzureichend markierte Minenfelder, besonders in folgenden Gebieten: Sinaï, nicht entwickelte Küstenbereiche entlang des Roten Meeres, Wüste westlich von El Alamein, südliche und westliche Grenzgebiete zum Sudan und zu Libyen (Gilf Kebir, Uweinat). Informieren Sie sich im Zweifelsfall bei den lokalen Behörden und/oder bei der Bevölkerung und lassen Sie grösste Vorsicht walten.

Kriminalität

Wegen der sozialen und wirtschaftlichen Probleme hat die Kriminalität - ausgehend von einer tiefen Basis - zugenommen, insbesondere in Kairo und anderen grossen Städten. Auch wenn die Gefahr von Gewaltverbrechen gegen Ausländer relativ gering ist, kann dieses Risiko für Touristen nicht ausgeschlossen werden. Im Zusammenhang mit vermehrten Meldungen über Vergewaltigungen und andere Sexualdelikte wird speziell Frauen zu besonderer Vorsicht und Zurückhaltung geraten.

Seien Sie nachts und in den Grossstädten besonders vorsichtig und erkundigen Sie sich bei Geschäftspartnern, bei der lokalen Reiseleitung oder im Hotel ob es Quartiere gibt, die gemieden werden sollten.

Verkehr und Infrastruktur

Obwohl der Zustand der Strassen verhältnismässig gut ist, ist der Strassenverkehr gefährlich. Insbesondere auf langen Überlandstrecken sowie auf der Autobahn zwischen Kairo und Alexandria kommt es infolge Fahrens mit überhöhter Geschwindigkeit und Missachtung der Verkehrsregeln oft zu tödlichen Unfällen. Nach Möglichkeit sollten lange Überlandfahrten in Minibussen oder Taxis vermieden werden. Von nächtlichen Überlandfahrten wird generell abgeraten.
Auf bestimmten Strecken wird der Privatverkehr von Ausländern systematisch von Polizeieskorten begleitet. Erkundigen Sie sich vor Überlandfahrten bei der lokalen Polizei über die Sicherheitsvorschriften.

Das Eisenbahnnetz ist veraltet und die Schieneninfrastruktur teilweise in schlechtem Zustand. Es kommt deshalb immer wieder zu schweren Eisenbahnunglücken.

Tauchunfälle sind relativ häufig. Die Qualität der Sicherheitsvorkehrungen und des Materials für den Wassersport generell ist sehr unterschiedlich. Berücksichtigen Sie ausschliesslich Firmen mit einer Lizenz der ägyptischen Behörden und mit einer Versicherungsdeckung. Es ist ratsam, sich an behördlich kontrollierte Tauchschulen zu halten.

Fahrten in die Wüste abseits der asphaltierten Strassen sollten ausschliesslich in Gruppen von mehreren Geländefahrzeugen und mit einem lokalen Führer unternommen werden. Ein Navigationsgerät sowie ein ausreichender Vorrat an Wasser, Nahrungsmitteln, Treibstoff und Ersatzteilen sind überlebenswichtig.

Besondere rechtliche Bestimmungen

Die gesetzlichen Vorschriften orientieren sich an strengeren Standards und rigideren Moralvorstellungen als in der Schweiz.

Beschimpfungen und öffentlich geäusserte Kritik (auch in den sozialen Medien) gegen den ägyptischen Staat oder die Religion können strafrechtliche Folgen nach sich ziehen, einschliesslich Gefängnisstrafen. Dies gilt auch für unsittliche Äusserungen.

Es ist verboten, uniformierte Personen, militärische Einrichtungen und öffentliche Bauten (Flughäfen, Bahnhöfe, Brücken, Antennenanlagen, ausländische Botschaftsgebäude, usw.) zu fotografieren oder zu filmen.

Das aussereheliche Zusammenleben (Ausländer/in mit Ägypter/in) ist verboten. Anstössiges Verhalten und Zärtlichkeiten zwischen erwachsenen Personen in der Öffentlichkeit werden streng verfolgt. Ebenfalls strafbar sind gleichgeschlechtliche Handlungen. Der Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit ist verboten, mit Ausnahme von lizenzierten Hotels und Restaurants.

Zuwiderhandlungen gegen das Verbot der Ausfuhr von Kulturgütern können mit Haftstrafen geahndet werden (Antiquitäten, alte Gegenstände, Fossilien, Korallen, etc.). Solche Artikel werden teilweise auf lokalen Märkten angeboten. Artikel, die unter dieses Verbot fallen, können nicht exportiert werden, auch wenn sie eingeführt oder legal erworben wurden. Kopien von Kulturgütern dürfen nur ausgeführt werden, wenn sie durch das Ministry of Antiquities zertifiziert worden sind. Sie können ausschliesslich in diesem Ministerium oder in Museen legal erworben werden.

Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz werden mit äusserster Härte bestraft (Haftstrafen ab zehn Jahren bis hin zur Todesstrafe). Die Haftbedingungen entsprechen in keiner Weise schweizerischem Standard.

Kulturelle Besonderheiten

Ägypten ist ein vorwiegend muslimisches Land. Verhalten und Kleidung sind insbesondere beim Verlassen von Hotelanlagen den lokalen Gepflogenheiten anzupassen. Achten Sie besonders im Umfeld von Moscheen auf bedeckende Kleidung und verzichten Sie freitags während der Gebetszeit auf die Besichtigungen von Moscheen. Informieren Sie sich in Reiseführern, bei Ihrem Reisebüro oder vor Ort über die Verhaltensregeln und die genauen Bestimmungen. Denken Sie daran, dass während des Ramadans besondere Regeln und Vorschriften zu beachten sind.

Im Falle einer Heirat zwischen Ausländer/in und Ägypter/in muslimischen Glaubens ist den islamischen Verhaltensregeln und den ägyptischen Gesetzen besondere Aufmerksamkeit zu schenken, auch betreffend Obhuts- und Sorgerecht gemeinsamer Kinder.

Naturbedingte Risiken

Ägypten liegt in einem Erdbebengebiet. Sollte sich während Ihres Aufenthalts ein grösseres Erdbeben ereignen, melden Sie sich möglichst rasch bei Ihren Angehörigen und befolgen Sie die Anweisungen der Behörden. Sind die Verbindungen ins Ausland unterbrochen, kontaktieren Sie die Schweizer Botschaft in Kairo.

Medizinische Versorgung

Medizinische Versorgung

Ausserhalb von Kairo, Alexandria und den bekannten Touristenorten ist die medizinische Versorgung unzureichend.
Im ganzen Land verlangen Krankenhäuser eine finanzielle Garantie, bevor sie Patienten behandeln (Kreditkarte oder Vorschusszahlung). Eigenes Verbandsmaterial und Wegwerfspritzen können sich als nützlich erweisen.

Wenn Sie auf bestimmte Medikamente angewiesen sind, sollte Ihre Reiseapotheke einen ausreichenden Vorrat enthalten. Bedenken Sie jedoch: In vielen Ländern gelten besondere Vorschriften für die Mitnahme von betäubungsmittelhaltigen Medikamenten (z.B. Methadon) und Substanzen, mit denen psychische Erkrankungen behandelt werden. Erkundigen Sie sich gegebenenfalls vor der Abreise direkt bei der zuständigen ausländischen Vertretung (Botschaft oder Konsulat) und konsultieren Sie die Rubrik Reiselinks, wo Sie unter anderem weitere Informationen zu diesem Thema sowie generell zur Reisemedizin finden.
Über die Verbreitung von Krankheiten und mögliche Schutzmassnahmen informieren Ärzte und Impfzentren.

Besondere Hinweise

Touren in gewisse Gebiete dürfen nur mit einer Bewilligung des ägyptischen Innenministeriums und mit lokalen Führern unternommen werden. Die ägyptische Botschaft in Bern erteilt Auskunft.

Der Zugang zu Wüstengebieten wird durch die ägyptischen Sicherheitskräfte zeitweise eingeschränkt. Erkundigen Sie sich bei den lokalen Behörden über die Durchführbarkeit von Reisen in diese Gebiete.

Nützliche Adressen

Notrufnummer der Touristenpolizei: 126
Ägyptische Zollvorschriften: Customs Authority

Schweizer Vertretungen im Ausland: Wenn Sie im Ausland in eine Notlage geraten, können Sie sich an die nächste Schweizer Vertretung oder an die Helpline EDA wenden.
Schweizer Botschaft in Kairo

Helpline EDA

Ausländische Vertretungen in der Schweiz: Auskunft über die Einreisevorschriften (zugelassene Ausweise, Visum etc.) erteilen die zuständigen ausländischen Botschaften und Konsulate. Sie informieren auch über die Zollbestimmungen für die Ein- und Ausfuhr von Tieren und Waren: elektronische Geräte, Souvenirs, Medikamente etc.
Ausländische Vertretungen in der Schweiz

Ausschluss der Haftung
Die Reisehinweise des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) stützen sich auf eigene, als vertrauenswürdig eingeschätzte Informationsquellen. Sie verstehen sich als nützliche Hinweise zur sorgfältigen Planung einer Reise. Das EDA kann Reisenden aber den Entscheid und die Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung der Reise nicht abnehmen.
Gefahrensituationen sind oft nicht vorhersehbar, unübersichtlich und können sich rasch ändern. Das EDA übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit der Reisehinweise und für die Richtigkeit des Inhalts von verlinkten externen Internetseiten. Es lehnt jede Haftung für allfällige Schäden im Zusammenhang mit einer Reise ab. Forderungen im Zusammenhang mit der Annullierung einer Reise sind direkt beim Reisebüro oder der Reiseversicherung geltend zu machen.