Zum Anfang

Neujahrsempfang für das diplomatische Corps

Bundespräsident Ignazio Cassis begrüsste am traditionellen Neujahrsempfang vom 12. Januar 2022 im Parlamentsgebäude das ausländische diplomatische Corps in der Schweiz. Bilder von diesem Treffen und fünf Fragen an die Protokollchefin, Botschafterin Beatrice Schaer.

Gruppenfoto der Teilnehmer und Teilnehmerinnen im Parlament.
Der Anlass im Parlamentsgebäude ist eine wichtige Gelegenheit für das EDA, den Kontakt zu den in der Schweiz akkreditierten Botschafterinnen und Botschaftern zu pflegen. (© Valentin Flauraud)

Warum ist dieser jährlich wiederkehrende Neujahrsanlass so wichtig und welche Rolle spielt er im Kontakt des EDA mit dem ausländischen diplomatischen Corps?

Der Neujahrsempfang ist ein Empfang des Bundespräsidenten oder der Bundespräsidentin für das diplomatische Corps. Dabei nimmt der Bundespräsident bzw. die Bundespräsidentin in Anwesenheit des Vorstehers oder der Vorsteherin des EDA die Glückwünsche des diplomatischen Corps entgegen.

Porträt von Beatrice Schaer, Protokollchefin.
Botschafterin und Protokollchefin Beatrice Schaer. (© zvg)

Für das EDA ist der Anlass eine wichtige Gelegenheit, den Kontakt zu den Missionschefinnen und Missionschefs, die in der Schweiz akkreditiert sind, zu pflegen. So nehmen nicht nur die Missionschefinnen und Missionschefs die in Genf residieren teil, sondern auch gewisse von jenen, welche die Schweiz aus dem Ausland mit einer Seitenakkreditierung abdecken, reisen für diesen Empfang in die Schweiz.

Weshalb spricht neben dem Bundespräsidenten auch der Apostolische Nuntius? Hat dies einen historischen Grund oder nimmt der diplomatische Vertreter des Vatikans im ausländischen diplomatischen Corps eine spezielle Funktion ein?

Der Nuntius ist der Doyen des diplomatischen Corps. Er vertritt in dieser Funktion jeweils die Anliegen des diplomatischen Corps gegenüber der Regierung des Gastlandes und steht in der Rangordnung der Diplomatinnen und Diplomaten an erster Stelle. Seit 1923 ist der Nuntius auch der Doyen in der Schweiz. 1953 beschloss der Bundesrat, den Apostolischen Nuntius erstmals auch de jure zum Doyen des diplomatischen Corps in der Schweiz zu ernennen. Am Neujahrsempfang überbringt der Nuntius in seiner Ansprache dem Bundespräsidenten bzw. der Bundespräsidentin die Glückwünsche des diplomatischen Corps.

Jedes Land pflegt eigene diplomatische Traditionen. Was heisst das für das Protokoll, wenn es einen solchen internationalen Anlass vorbereitet?

Das Protokoll verschickt die Einladungen, nimmt Kontakt zu den Berner Behörden auf, bietet die verschiedenen Partner (Fedpol, BBL, Parlamentsdienste, etc.) auf, stellt den Kontakt mit dem Nuntius für seine Ansprache her, erstellt ein protokollarisches Szenario und orchestriert den gesamten Ablauf. Am Anlass selbst empfängt das Protokoll die Gäste der Bundespräsidentin bzw. des Bundespräsidenten und reiht die Missionschefinnen und Missionschefs in der richtigen Reihenfolge gemäss Rangordnung (ordre de préséance) in der Wandelhalle auf. Die Protokollchefin fungiert als Sprachrohr: sie kündigt der Bundespräsidentin bzw. dem Bundespräsidenten das jeweilige Land an und bittet in Nationalratssaal die Rednerinnen und Redner ans Rednerpult.

Gilt dieser Vorgang auch in diesem Jahr, trotz der Einschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie?

Nein, dieses Jahr stellt die Organisation des Neujahrsempfangs wegen der Pandemie eine besondere Herausforderung dar. Die Grusslinie kann nicht in der Wandelhalle durchgeführt werden. Deshalb musste das Protokoll ein alternatives Programm erarbeiten.

Sie haben als Protokollchefin bereits an mehreren Neujahrsanlässen teilgenommen. Ist Ihnen ein Ereignis speziell in Erinnerung geblieben?

Am 12. Januar 2022 werde ich das zweite Mal an einem Neujahrsempfang teilnehmen. 2021 fiel der Neujahrsempfang leider dem Coronavirus zum Opfer. In lebhafter Erinnerung bleiben mir die Diskussionen mit dem iranischen Botschafter im Januar 2020 über die Begrüssungsart gegenüber Bundespräsidentin Sommaruga. Da der Botschafter sich weigerte, der Bundespräsidentin die Hand zu geben, musste eine diplomatische Lösung gefunden werden. Diese fand sich darin, dass auch Bundesrat Cassis als Vertreter des EDA dem Botschafter nicht die Hand gab, sondern ihn auf dieselbe Weise begrüsste, wie dies auch die Bundespräsidentin tat: mit der Hand auf dem Herzen.

Links

Letzte Aktualisierung 26.01.2022