Bosnien und Herzegowina: Bessere Gesundheitsversorgung dank verbesserter Pflege


 Eine Pflegefachfrau sitzt in einem Behandlungszimmer.
Im Gesundheitszentrum von Petrovo kann diese Pflegefachfrau einen neuen Ultraschallapparat einsetzen und damit die Pflegequalität verbessern. © Imrana Kapetanovic for UNDP BiH.

In Bosnien und Herzegowina bilden die Pflegefachpersonen die grösste Berufsgruppe des Gesundheitswesens. Trotz ihrer Nähe zur lokalen Bevölkerung wird ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Sie erfüllen häufig administrative statt pflegerische Aufgaben und haben kaum Aufstiegsmöglichkeiten. Deshalb zieht es sie häufig nach Westeuropa, wo die Arbeitsbedingungen besser sind. Gerade mit der Förderung der Pflege könnte der Zugang von Menschen in ländlichen Gebieten und von benachteiligten Bevölkerungsgruppen zur Gesundheitsversorgung verbessert werden.

Land/Region Thema Periode Budget
Bosnien und Herzegowina
Gesundheit
Bildung
Stärkung der Gesundheitssysteme
Primäre Gesundheitsversorgung
Bildungseinrichtungen und Ausbildung
01.12.2017 - 30.11.2021
CHF 5'125'000

Seit zwanzig Jahren führen die Behörden von Bosnien und Herzegowina eine Gesundheitsreform durch. Dank dem Schweizer Programm konnten die Pflegequalität verbessert und die Kosten gesenkt werden. Es gibt aber weiterhin Ungleichheiten im Zugang zur Gesundheitsversorgung. Ziel des Projekts zur Stärkung der Pflege in Bosnien und Herzegowina (Strengthening Nursing in Bosnia and Herzegovina) ist es, qualitativ hochstehende, bedarfsgerechte Pflegeleistungen für die ganze Bevölkerung zu erbringen, insbesondere für sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen. 

Das von der DEZA unterstützte Projekt hat drei Schwerpunkte:

  1. Regelung und Aufwertung des Pflegeberufs,

  2. Verbesserung der Pflegeausbildung,

  3. Stärkung und Förderung der Gesundheitsversorgung durch Pflegefachpersonen auf Gemeindeebene

Sichtbare Ergebnisse

 

In der ersten Projektphase konnte die Pflege von 1,3 Millionen Menschen in Zentren der primären Gesundheitsversorgung verbessert werden, und 45'000 besonders gefährdete Personen, darunter 60 % Frauen, erhielten Zugang zur Gemeinde- oder Hauskrankenpflege. Im Bereich der Ausbildung haben vier der acht bestehenden Pflegefachschulen Lehrpläne erarbeitet, die den Anforderungen der Europäischen Union entsprechen, und eine Schule setzt diesen schon um. Zudem werden Pflegefachpersonen jetzt an der Erarbeitung von Regelungen im Pflegebereich beteiligt, auch wenn sie in den entsprechenden Gremien immer noch untervertreten sind.

Mit der zweiten Projektphase sollen die bisher erzielten Ergebnisse weiter verbessert und dauerhaft verankert werden. Vorgesehen ist die Unterstützung von 12 zusätzlichen Gemeinden, so dass insgesamt 22 Gemeinden versorgt werden können. Damit können 2,2 Millionen Menschen erreicht werden. 

Folgende Gruppen werden direkt oder indirekt von diesen Verbesserungen profitieren:

  • Pflegefachpersonen (etwa 20'000 Personen, davon 93 % Frauen),

  • Ärztinnen und Ärzte, die dank der Delegation gewisser Aufgaben ihre Arbeitsbelastung verringern können,

  • Patientinnen und Patienten, insbesondere aus Bevölkerungsgruppen, die nur eingeschränkt Zugang zur Gesundheitsversorgung haben, wie Menschen in abgelegenen Gebieten, Ältere und Behinderte, Arbeitslose ohne Versicherung, ledige Mütter und Minderheiten.

Eine lokale Ausbildung, die dem ganzen Land nützen soll

Nach Abschluss des Projekts werden Pflegefachpersonen bei der Gesundheitsversorgung eine tragende Rolle spielen und entsprechend ihrer Ausbildung und Kompetenzen entlöhnt. Ihr Arbeitsumfeld wird motivierender sein, so dass sie einen Anreiz haben, im Gesundheitssystem von Bosnien und Herzegowina zu bleiben und zu arbeiten. Dank der Prävention durch Pflegefachpersonen werden die Kosten für die Behandlung durch Spezialisten und die Hospitalisierung von Personen mit nichtübertragbaren Krankheiten abnehmen. Das Gesundheitswesen des Landes wird also Einsparungen erzielen. Sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen werden ihr Wissen über richtiges Gesundheitsverhalten und damit ihre Gesundheit verbessern.

Globale Auswirkungen

Dieses Projekt steht in Zusammenhang mit Ziel 3 für eine nachhaltige Entwicklung der UNO: ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters zu gewährleisten und ihr Wohlergehen zu fördern. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Genfer Universitätsspital (HUG) durchgeführt. Es steht auch in Zusammenhang mit anderen Projekten der DEZA (z. B. Projekte Mental Health Project und Reducing Health Risk Factors).