Internationale Zusammenarbeit

Humanitäre Hilfe: Aus Blau wird Grün

Besuch in Genf anlässlich des Weltflüchtlingstages. Der neue Geneva Technical Hub hat seine Räumlichkeiten im UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge bezogen. Die Schweiz und die internationale Organisation haben ein Kompetenzzentrum geschaffen, das den ökologischen Fussabdruck der humanitären Hilfe reduzieren soll.

Eine dicht gedrängte Menschenmenge wartet auf die Getränkeverteilung im Flüchtlingslager Kutupalong Balukali in Bangladesch.

Das grösste, dicht besiedelte Flüchtlingslager der Welt, Kutupalong Balukali in Bangladesch, belastet die Umwelt. © Keystone

Freitag, 11. Juni 2021, Rue de Montbrillant 94 in Genf: Manuel Bessler, Chef der Humanitären Hilfe des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten, spricht anlässlich der offiziellen Lancierung des Geneva Technical Hub.

«Ja, die humanitäre Hilfe muss in erster Linie Menschenleben retten. Nein, die humanitäre Hilfe darf nicht auf Kosten der Umwelt und der Bevölkerung gehen», sagt er am Sitz des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR), das den Hub als langjähriger Partner der Schweiz mitinitiiert hat.

«Ich bin insbesondere stolz darauf, dass Schweizer Sachverständige und Universitäten das UNHCR mit diesem Hub beim ‹Übergang von Blau zu Grün› unterstützen, das heisst einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der Umweltauswirkungen der humanitären Hilfe leisten.» (Anm. d. Red.: Blau ist die Farbe der Vereinten Nationen.)

Rekordhoher Unterstützungsbedarf, eine Belastung für die Umwelt

Seine Wirkung entfaltet der Hub weit von Genf entfernt.

Die Reise beginnt in Südostasien, in Bangladesch. Zwischen Myanmar und dem Golf von Bengalen liegt auf wenigen Quadratkilometern das grösste Flüchtlingslager der Welt: Kutupalong Balukali. Hier leben 600’000 Menschen, hauptsächlich Rohingyas. Fehlende Abwasserentsorgung, Abfallberge, unkontrollierte Abholzung zu Heizzwecken und die Übernutzung lokaler Ressourcen prägen das Leben vor Ort. Das Riesenlager ist eine enorme Belastung für die Umwelt.

Ein paar tausend Kilometer davon entfernt stellen sich die gleichen Probleme, nur in einer anderen Landschaft. Die ockerfarbene, grün gesprenkelte Sahelzone ist Schauplatz einer weiteren grossen Migrationskrise. Gewalt und Terrorismus sind hier weit verbreitet. Zwei Millionen Menschen wurden bereits in die Flucht getrieben. Unterwegs benötigen sie Brennholz, um zu kochen und sich zu wärmen, was zu einer Übernutzung führt. Zudem gefährdet die Brennholzsuche die Schulbildung und die Sicherheit, vor allem von Frauen und Mädchen.

Innovation ohne Grenzen

In einer Region wie der Sahelzone, wo die Sonne im Überfluss scheint, können fossile Brennstoffe leicht durch Solarenergie ersetzt werden. Die Abfälle in den Lagern, die bisher als Problem angesehen wurden, können auch als Energiequelle genutzt werden. Drohnen können zur Verbesserung der Lebensbedingungen beitragen, beispielsweise durch die Kartierung von Risiken bei der Planung eines Lagers. Dank Sensoren in den Wassertanks kann die Versorgung gesteuert werden.

Die Initiative Geneva Technical Hub nutzt innovative Technologien und das technische Know-how der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) des EDA, der Eidgenössischen Technischen Hochschulen Lausanne und Zürich sowie der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung (Eawag) für die Bedürfnisse von Millionen von entwurzelten Menschen – Flüchtlingen, Binnenvertriebenen und Staatenlosen.

Der Hub befasst sich mit Bereichen wie Risikominderung, Energie, Bauwesen, Unterkunft, Lagerplanung, Abfallentsorgung und Trinkwasserversorgung.

Die erste Phase des Projekts deckt den Zeitraum 2021–2024 ab. Die Humanitäre Hilfe des Bundes stellt für die ersten drei Jahre 5,7 Millionen Franken bereit. Bei positiven Ergebnissen sind weitere Beiträge vorgesehen. Ausserdem werden dem Hub fünf Expertinnen und Experten des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe der DEZA zur Verfügung gestellt.

«Die Spezialistinnen und Spezialisten der DEZA werden aktuelle Best Practices sammeln, technische Leitlinien verfassen, Schulungen anbieten und über mögliche innovative Entwicklungen für die Zukunft nachdenken», erklärt Manuel Bessler.

Warum unterstützt die Schweiz den Geneva Technical Hub?

  • Auf der ganzen Welt ist eine Rekordzahl von Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. 
  • Die Fluchtbewegungen infolge von Konflikten und Katastrophen nehmen zu und werden durch die Gesundheitskrise und den Klimawandel noch verstärkt. 
  • Das Thema Migration ist ein zentraler Bestandteil der Agenda 2030, die von 193 UNO-Mitgliedstaaten, darunter der Schweiz, verabschiedet wurde.
  • Die Aussenpolitische Strategie 2020–2023 des Bundesrats stellt die nachhaltige Entwicklung in den Mittelpunkt des aussenpolitischen Engagements der Schweiz. 
  • Auch in der Strategie der internationalen Zusammenarbeit 2021–2024 steht die nachhaltige Entwicklung im Zentrum des Engagements der DEZA in den Entwicklungsländern. 
  • Die Schweiz fördert die enge Zusammenarbeit mit der Wissenschaft und dem Privatsektor, damit innovative technologische Initiativen zur Umsetzung der Ziele ihrer Strategien entwickelt werden können.
  • Die Schweiz unterstützt das UNHCR bei der Umsetzung des Globalen Pakts für Flüchtlinge, der 2018 von der Staatengemeinschaft verabschiedet wurde.
Ich bin insbesondere stolz darauf, dass Schweizer Sachverständige und Universitäten das UNHCR mit diesem Hub beim ‹Übergang von Blau zu Grün› unterstützen, das heisst einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der Umweltauswirkungen der humanitären Hilfe leisten.
Manuel Bessler, Stellvertretender Direktor der DEZA, Delegierter für humanitäre Hilfe und Chef des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe
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