Bilaterale Beziehungen Schweiz–Litauen

Die Beziehungen zwischen der Schweiz und Litauen sind ausgezeichnet. Das liegt auch an der Unterstützung, die die Schweiz dem Land in den ersten Jahren nach seiner Unabhängigkeit 1991 gewährte. Litauen war ein Empfängerland des Schweizer Beitrags an die erweiterte Europäische Union.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Die Schweiz und Litauen pflegen regelmässige bilaterale Kontakte auf höchstem Niveau. Zuletzt weilte die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaitė im Oktober 2015 für einen offiziellen Besuch bei Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga in Bern. In den letzten zehn Jahren lag einer der Schwerpunkte der bilateralen Beziehungen auf der engen Kooperation im Rahmen des Schweizer Erweiterungsbeitrags. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich. Die Schweiz bildet am Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik litauische Expertinnen und Experten aus.

Datenbank Staatsverträge

Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation

Forschende aus der Schweiz und Litauen arbeiten im Rahmen von Horizon 2020 in mehreren Projekten zusammen.

Forschende und Kunstschaffende aus Litauen können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben.

Bundes-Exzellenz-Stipendien für ausländische Forschende und Kunstschaffende, SBFI

Der Schweizer Erweiterungsbeitrag

Litauen gehörte zu den Empfängerstaaten des Schweizer Beitrags zur Verringerung der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten in der erweiterten EU. Bis 2017 wurden acht Projekte im Gesamtbetrag von rund 71 Millionen CHF durchgeführt. Ein wichtiger Schwerpunkt lag bei der Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Müttern und Kindern. Ausserdem förderte die Schweiz in litauischen Spitälern die Weiterbildung des Gesundheitspersonals sowie die Modernisierung und Steigerung der Energieeffizienz von Spitalinfrastrukturen.

Litauen – Partnerland des Schweizer Erweiterungsbeitrags

Kulturaustausch

Seitdem Vilnius 2009 Kulturhauptstadt Europas war, hat sich der Kulturaustausch zwischen der Schweiz und Litauen stetig weiter entwickelt. Besonders in den Bereichen Literatur und Filmschaffen stehen sich die beiden Länder sehr nahe und tauschen sich regelmässig aus.

Pro Helvetia unterstützt ausserdem die Teilnahme von Schweizer Kunstschaffenden an verschiedenen Veranstaltungen in Litauen.

Schweizerinnen und Schweizer in Litauen

Ende 2017 lebten gemäss Auslandschweizerstatistik 23 Schweizerinnen und Schweizer in Litauen.

Auslandschweizerstatistik, EDA

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Die wissenschaftlichen Beziehungen zwischen der Schweiz und Litauen reichen weit zurück. Bereits im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts studierten zahlreiche Litauerinnen und Litauer an Schweizer Universitäten, darunter auch der Philosoph und spätere Rektor der Universität Kaunas, Stays Salkauskis. Der Bundesrat anerkannte die erste Republik Litauen im August 1921. In Kaunas, der damaligen Hauptstadt des Landes, wurde ein Konsulat eröffnet. Die bereits1918 in Bern eingerichtete diplomatische Mission Litauens war der Botschaft in Berlin unterstellt. Die durch die sowjetische Annexion Litauens 1940 unterbrochenen bilateralen Beziehungen wurden unmittelbar nach dem misslungenen Putsch in Moskau im August 1991 wieder aufgenommen. Die Schweiz hatte die Annexion des Landes durch die Sowjetunion nie anerkannt.

Im Rahmen der Ostzusammenarbeit gewährte die Schweiz Litauen in den 1990er-Jahren Hilfe im Umfang von rund 26 Millionen CHF in den Bereichen Gesundheit, Kartografie und Vermessungswesen, Umweltschutz und im Bankenwesen.

Für die Vertretung der Schweizer Interessen in Litauen ist die Botschaft der Schweiz in Riga (Lettland) zuständig.

Litauen, Historisches Lexikon der Schweiz