Bilaterale Beziehungen Schweiz–Libyen

Libyen hat für die Schweiz eine zentrale migrations- und sicherheitspolitische Bedeutung. Die Schweiz setzt sich im Rahmen der humanitären Hilfe und der Friedensförderung für den Schutz der Zivilbevölkerung und eine Stabilisierung des Landes ein.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Wegen der prekären Sicherheitslage wurde die Schweizer Botschaft in Libyen am 31. Juli 2014 vorübergehend geschlossen. Das Schweizer Engagement in Libyen wird von Tunis und Bern aus koordiniert. Konsularische Leistungen für die in Libyen wohnhaften Personen werden von der Schweizer Botschaft in Tunis übernommen. Die Schweiz unterstützt den Friedensprozess der UNO sowie deren Resolutionen und Sanktionen.

Datenbank Staatsverträge

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

2009 war Libyen der zweitwichtigste Handelspartner der Schweiz in Afrika. Infolge der diplomatischen Krise zwischen den beiden Ländern und einem libyschen Embargo gegen die Schweiz brach der Handel mit Libyen ein. Dieser Trend setzte sich bis 2011 fort.

Libyen war während sehr langer Zeit der wichtigste Rohöllieferant der Schweiz. Seit 2015 sind diese Importe jedoch stark zurückgegangen, im Gegensatz zu den schweizerischen Exporten nach Libyen, die in den letzten Jahren relativ stabil waren. Sie lagen jährlich zwischen 97 und 346 Millionen CHF. 

Handelsförderung, Switzerland Global Enterprise SGE

Länderinformationen, Staatssekretariat für Wirtschaft SECO 

Friedensförderung und menschliche Sicherheit

Die Schweizer Kooperationsstrategie 2017–2020 für Nordafrika umfasst drei Bereiche:

  • Demokratische Prozesse und Menschenrechte

  • Wirtschaftliche Entwicklung und Beschäftigung

  • Migration und Schutz

Die Schweiz unterstützt im Rahmen dieses Programms Projekte zur Förderung des Dialogs und zur Konflikttransformation auf lokaler und nationaler Ebene. Sie unterstützt den UNO-Prozess und die internationale Gemeinschaft, die sich an einem konfliktsensitiven Ansatz orientiert, einschliesslich im Migrationsbereich. Sie leistet zudem einen Beitrag an Projekte zur Verbesserung der Haftbedingungen und zur Einhaltung der Rechte von Gefangenen. Zudem setzt sie sich dafür ein, dass die Verletzung der Menschenrechte von Migrantinnen und Migranten dokumentiert werden. Die Unterstützung von Projekten zum Aufbau von Kapazitäten und zur Stärkung der Resilienz von Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidigern gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben.

Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Im Rahmen der Schweizer Kooperationsstrategie für Nordafrika betreffen die Aktivitäten der Schweiz in Libyen den ersten Bereich (demokratische Transition und Menschenrechte/Friedensförderung durch die Abteilung Menschliche Sicherheit des EDA) und den dritten Bereich (Migration und Schutz, namentlich mit den Mitteln der Humanitären Hilfe und des SEM). Die Schweiz leistet zudem einen Beitrag zum Schutz von verletzlichen Migrantinnen und Migranten, von Binnenvertriebenen sowie von den Aufnahmegemeinden.

Die für die internationale Zusammenarbeit mit Libyen eingesetzten Mittel beliefen sich 2011–2016 auf 21 Millionen CHF. Für den Zeitraum 2017–2020 sind über 16 Millionen CHF budgetiert.

Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Schweizer Kooperationsstrategie 2017–2020 für Nordafrika

Schweizerinnen und Schweizer in Libyen

Ende 2018 lebten 40 Schweizerinnen und Schweizer in Libyen.

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Die Schweiz anerkannte den jungen Staat Libyen sofort nach seiner Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1951. Damals lebten rund zwölf Schweizer Staatsangehörige im Land. Nach der Niederlassung verschiedener Erdölgesellschaften nahm ihre Zahl rasch zu. Es kamen insbesondere Geologen, Techniker und Experten. Schweizer Juristen wie Eduard Zellweger (1901–1975) standen als Regierungsberater im Dienst des jungen Staates. Von 1962 bis 1965 vertrat die Schweizer Botschaft in Tunesien die Interessen der Schweiz in Libyen. 1965 eröffnete die Schweiz in der libyschen Hauptstadt ein Konsulat und 1968 eine Botschaft.

Libyen, Historisches Lexikon der Schweiz

Diplomatische Dokumente der Schweiz, Dodis