Bilaterale Beziehungen Schweiz–Libanon

Libanon ist ein wichtiger Partner der Schweiz im Mittleren Osten. Die bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und dem Libanon sind traditionell sehr gut und wurden in den beiden letzten Jahren deutlich intensiviert. Im August 2018 fand ein Präsidialbesuch vom damaligen Bundespräsidenten Alain Berset im Libanon statt.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Seit 2016 besteht ein Memorandum of Understanding zwischen der Schweiz und dem Libanon zur Durchführung von regelmässigen Politischen Konsultationen. Aufgrund der Situation im Libanon und des regionalen Kontexts engagiert sich die Schweiz vor allem im Bereich der humanitären Hilfe.

Datenbank Staatsverträge

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Im Zusammenhang mit der Unterzeichnung eines Abkommens zwischen der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) und Libanon haben die Schweiz und Libanon ein bilaterales Programm der wirtschaftlichen Zusammenarbeit lanciert. Damit sollen die wirtschaftlichen Standards in Libanon gestärkt werden, so dass die Qualität der aus Libanon exportierten Produkte erhöht werden kann.

Die Schweiz exportiert hauptsächlich Edelsteine, -metalle und Bijouterie sowie pharmazeutische Produkte nach Libanon. Aus Libanon in die Schweiz werden zu einem Grossteil ebenfalls Edelsteine, -metalle und Bijouterie sowie auch Uhrmacherwaren importiert.

Handelsförderung, Switzerland Global Enterprise SGE

Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation

Zwischen Hochschuleinrichtungen der Schweiz und des Libanons gibt es verschiedene Partnerschaften und Kooperationsabkommen in unterschiedlichen Bereichen wie etwa Ingenieurwesen, Hotelmanagement oder Spitalpflege. Die Schweiz ist eine sehr beliebte Destination für libanesische Studierende.

Forschende und Kulturschaffende aus Libanon können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben.

Bundes-Exzellenz-Stipendium für ausländische Forschende und Kulturschaffende SBFI

Friedensförderung und menschliche Sicherheit

Die Schweiz setzt sich für die Demokratisierung sowie das das friedliche Zusammenleben ein. Dazu unterstützt sie Reformprozesse mit der Regierung und arbeitet eng mit Organisationen der Zivilgesellschaft sowie Menschenrechtsverteidiger zusammen. Konkrete Resultate sind etwa die Verabschiedung nationalen Strategien zur Vorbeugung des gewalttätigen Extremismus und Massnahmen für ein friedliches Zusammenleben der Gast- und Flüchtlingsgemeinschaften im Libanon. Zudem setzt sich die Schweiz für die Unabhängigkeit der Justiz, die Reform des Sicherheitssektors und die Vergangenheitsbewältigung ein.

Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Die regionale Kooperationsstrategie Mittlerer Osten bildet den Rahmen des Schweizerischen Engagements für die kommenden Jahre und stellt die Bewältigung der Auswirkungen der Syrienkrise ins Zentrum. Die Schweiz hat seit Ausbruch der Krise in Syrien im Jahr 2011 über 438 Millionen Franken für humanitäre Hilfe und für die Stärkung der Resilienz der notleidenden Bevölkerung bereitgestellt (Stand: Ende 2019). Die Gelder flossen je zur Hälfte an die Unterstützung und den Schutz der betroffenen Personen in Syrien und an die Hilfe in den Nachbarländern Jordanien, Libanon, Irak und Türkei, welche die meisten Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen haben.

Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Kulturaustausch

Die Schweiz und Libanon pflegen einen intensiven Kulturaustausch. Die gemeinsame französische Sprache ist ein wichtiges Vehikel. Die Schweiz nimmt jedes Jahr an der französischen Buchmesse in Beirut und am Fest der Frankophonie teil. Der Austausch von bildenden Künstlerinnen und Künstlern und Musikerinnen und Musikern wird ebenfalls gefördert. Zudem nimmt die Schweiz jedes Jahr am europäischen Filmfestival in Libanon teil.

Schweizerinnen und Schweizer in Libanon

Ende 2018 lebten mehr als 1500 Schweizerinnen und Schweizer in Libanon – die meisten davon Doppelbürger.

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Unter französischem Protektorat wurde 1920 «Gross-Libanon» gegründet. 1943 erlangte Libanon die Unabhängigkeit. Die Schweiz eröffnete 1934 ein Konsulat in Beirut. Es wurde 1949 in eine Gesandtschaft und 1958 in eine Botschaft umgewandelt.

Seit 1948 unterstützt der Bund über die UNO und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz die Palästinaflüchtlinge und andere Opfer von Gewalt in der Region. Obwohl die Schweizer Botschaft während des Bürgerkriegs mehrmals vorübergehend geschlossen worden war (insbesondere seit 1988 und in 1995 wiedereröffnet), bot die Schweiz ihre guten Dienste an und unterstützte aktiv die «Konferenz für einen Dialog in Libanon» (1983 in Genf, 1984 in Lausanne).

Libanon, Historisches Lexikon der Schweiz