Bilaterale Beziehungen Schweiz–Irak

Die bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und dem Irak sind aufgrund der prekären Sicherheitslage bescheiden. Die Schweiz rückt bei ihren Beziehungen zum Irak humanitäre Fragen, die Migration, und die Friedensförderung  ins Zentrum.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Mit dem Ausbruch des jüngsten Irakkriegs und der andauernden Krise im Irak wurde die humanitäre Hilfe zum Schwerpunkt der schweizerisch-irakischen Beziehungen.

Die bilateralen Beziehungen zwischen dem Irak und der Schweiz manifestieren sich ausserdem durch verschiedenste Abkommen in diversen Bereichen. So bestehen beispielsweise seit 1956 ein Abkommen über den Luftverkehr, seit 1978 eines über den Handelsverkehr sowie die wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit und seit 2005 ein Abkommen zur Schuldenreduktion.

Bilaterale Abkommen

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Nach dem ersten Golfkrieg 1991 und den darauf folgenden Sanktionen der Vereinten Nationen kam der Handel zwischen der Schweiz und dem Irak fast komplett zum Erliegen und erholte sich nur langsam. Mit der US-Invasion 2003 brachen die Schweizer Exporte erneut ein, erholten sich aber seither. Exportiert werden vor allem pharmazeutische Produkte.

Die Importe aus dem Irak in die Schweiz sind traditionell bescheiden, stiegen in den letzten Jahren jedoch an. Importiert werden in erster Linie Energieträger.

Handelsförderung (Switzerland Global Enterprise)

Zusammenarbeit im Bildungsbereich

Forschende und Kulturschaffende aus dem Irak können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben.

Schweizer Bundesstipendien

Friedensförderung und menschliche Sicherheit

Seit 2009 verknüpft die Schweiz Friedensförderung mit der nachhaltigen Bewirtschaftung der Wasservorkommen im Mittleren Osten, also auch im Irak. Dieser Teil der Welt befindet sich in einer schweren Krise, die sich u.a. auch durch die Verschlechterung und die Austrocknung von Wasserressourcen auszeichnet.

Eine nachhaltige Bewirtschaftung der grenzüberschreitenden Wasservorkommen könnte nicht nur Naturkatastrophen und menschliches Leid verhindern, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Friedensförderung leisten. Eines der Programme der Schweiz, die vermehrte Kooperation und den Abbau von Konflikten durch die Ressource Wasser zum Ziel hat, ist «Blue Peace». 

Projekt «Blue Peace» (EN) (PDF, 3.2 MB, Englisch)

Globalprogramm Wasserinitiativen

Entwicklungszusammenarbeit und Humanitäre Hilfe

Das Engagement der Schweiz im Irak wird von der Schweizer Kooperationsstrategie für den Mittleren Osten getragen. Das übergeordnete Ziel der Schweiz in Irak, Jordanien, Libanon und Syrien ist, zu friedlichen und sicheren Lebensbedingungen für konfliktbetroffene und vulnerable Menschen beizutragen, Fragilität zu reduzieren sowie Konflikte zu lösen und zu verhindern. Dabei liegen die Schwerpunkte des Schweizer Engagements auf folgende drei Bereichen: Grundbedürfnisse und Dienstleistungen, Schutz der Zivilbevölkerung und Wasser.

Seit dem Ausbruch der jüngsten Irakkrise wurde die humanitäre Hilfe der Schweiz im Irak erhöht. Mit ihrem Beitrag werden Programme von Partnerorganisationen (Hilfsprojekte der UNO, des Internationalen Roten Kreuzes und internationalen und lokalen Nichtregierungsorganisationen) gefördert. Ausserdem entsendet die Schweiz Experten des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe in die Region, um Partnerorganisationen technisch zu unterstützen.

Projektbeispiele und weiterführende Informationen zum Engagement der Schweiz im Irak und Mittleren Osten

Schweizerinnen und Schweizer im Irak

2015 lebten 83 Schweizer Staatsangehörige im Irak, davon 37 Doppelbürger.

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Die Schweiz anerkannte den Irak de facto mit dem Empfang König Faisals I durch den Bundesrat im August 1930 nach dem Ende des Britischen Mandats. 1936 eröffnete die Schweiz ein Konsulat in Bagdad, welches 1955 in eine Gesandtschaft umgewandelt wurde.
Der Irak konstituierte sich am 31. Juli 1958 als Republik; kurz darauf anerkannte die Schweiz die Republik Irak.

Der erste Golfkrieg 1991 führte zurSchliessung der Schweizer Botschaft im Irak. Im November 2000 eröffnete die Schweiz zur Wahrung ihrer Interessen in Bagdad ein diplomatisches Verbindungsbüro, das im Oktober 2008 aus Sicherheitsgründen wieder aufgegeben werden musste.

Die Seitenakkreditierung Irak ist bei der Schweizer Botschaft in Amman, Jordanien, angesiedelt. Die Interessen des Iraks werden in der Schweiz durch die irakische Botschaft in Bern vertreten.

Irak, Historischen Lexikon der Schweiz