«Menschenfeind» (Regie: Fabian Alder, CH)


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Donnerstag, 04.05.2023 – Dienstag, 13.06.2023

Theater; Performance

Menschenfeind
Menschenfeind © Anna Stöcher

Ein Wutbürger als Hauptdarsteller in einer Komödie? Geht das? Ja, das geht, und zwar schon ziemlich lange und erfolgreich. Molières berühmter Menschenfeind Alceste steht an der zynischen Aussenlinie der Gesellschaft und verbreitet durch ätzende Kommentare seine Verzweiflung an der Oberflächlichkeit der Welt. Isoliert als intelligenter Aussenseiter versucht er dem Treiben, das ihn eigentlich auf seltsame Weise fasziniert und von dem er auch intellektuell profitiert, zu entkommen. Der klassische Grossstadtneurotiker. Unzufrieden bis in die Knochen, gleichzeitig von der Welt der Menschen angezogen, welche aber angefüllt ist mit seiner Meinung nach banalem und uninteressantem Personal. Das ist die Haltung des Misanthropen gegenüber der Welt. Dummerweise ist er aber in eine Frau verliebt, die in dieser von ihm so angefeindeten Gesellschaft schwimmt wie der Fisch im Wasser und eine erfolgreiche Teilhaberin an dieser ist …

Fabian Alder versetzt den Klassiker «Der Menschenfeind» von Molière mit viel Humor in die Welt von heute. Auch sein Alceste regt sich über die ihn umgebende Gesellschaft auf. Kein neuer, kein authentischer Gedanke in keinem Kopf. Alles abgeschmackt, kopiert, von aussen in die Hirne eingeblasen von beeinflussenden Stichwortgebern wie sozialen Medien, Psychologie-Ratgebern, Netflix-Serien, Werbe- und Marketingagenturen, Umfrageinstituten und dem abstumpfenden und normierenden Bildungssystem. «Normopathie» überall, welche mit Floskeln, Phrasen und Geplapper überformt wird. Keiner hält es mehr aus, wenn jemand eine andere Meinung vertritt. Empörung oder Sentimentalität werden mit echtem Engagement verwechselt und am Ende des Tages gibt es sowieso nur eine Sache, die die Menschen wirklich interessiert: die ununterbrochene Verfügbarkeit sämtlicher Konsumgüter.

Unter Beibehaltung des Grundplots beweist Alder mit seiner gewitzten Überschreibung, in der auch auf Reim und Versmass nicht verzichtet wird, die absolute Zeitlosigkeit und Brisanz dieses Komödienklassikers. Und zeigt uns, dass grosse Wut auch sehr komisch sein kann.

Fabian Alder: Geboren 1981 in Scherzingen (CH), war Regieassistent am Schauspiel Essen und am Schauspielhaus Zürich, bevor er an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin Regie studierte. 2009 bis 2013 Hausregisseur am Theater Augsburg. Ausserdem Regiearbeiten am Schauspielhaus Zürich, Schauspiel Essen, Theater und Philharmonie Thüringen sowie am Theater Magdeburg. Seit 2013 arbeitet er regelmässig in Österreich, u.a. am Theater in der Josefstadt, dem Landestheater Niederösterreich sowie am Bronski & Grünberg in Wien. Neben seiner Tätigkeit als Regisseur Unterrichtstätigkeit am Regieinstitut des Max-Reinhardt-Seminars sowie an der Schauspielschule Krauss. Fabian Alder ist zweifacher Träger des Kulturförderpreises des Kantons Thurgau.

Aufführungen: 
4./5./6./26./27./30.. Mai 2023, jeweils 20 Uhr
2./12./13. Juni 2023, jeweils 20 Uhr 

Ort: TAG - Theater an der Gumpendorfer Strasee, Gumpendorfer Str. 67, 1060 Wien