Borgou: Kinder ohne Zugang zum Bildungswesen auf der Schulbank

Projekt abgeschlossen
Benin
Mehr als 2000 Kinder im Alter von 9 bis 15 Jahren nahmen an der ersten Phase des Bildungsprogramms PAEFE teil, das die DEZA im Département Borgou in Benin durchführt. © DDC Stephane Brabant

Im ländlich geprägten Borgou im Norden Benins können mehr als die Hälfte aller Kinder im schulpflichtigen Alter ihr Grundrecht auf Schulbildung nicht wahrnehmen. Gemeinsam mit den zuständigen Behörden sorgt die Schweiz dafür, dass Kinder ohne Zugang zum formalen Bildungssystem eine gute und ihren Bedürfnissen entsprechende Grundbildung erhalten.

 

Land/Region Thema Periode Budget
Benin
Bildung
Berufsbildung
Alltagsfähigkeiten
Grundbildung
Berufsbildung
01.06.2011 - 30.06.2016
CHF 6'610'000

In Benin gehen mehr als 700’000 Kinder, also 45 Prozent aller schulpflichtigen Kinder, nicht zur Schule oder haben die Schule abgebrochen. Das starke Bevölkerungswachstum (2,6%) erhöht den Druck auf das Bildungssystem des Landes, das schon heute dem Bedarf kaum gewachsen ist. Insbesondere ländliche Gebiete wie Borgou sind betroffen.   

Die Annahme des Zehnjahresplans für die Entwicklung des Bildungswesens (PDDSE, 2006-2015) durch die Regierung zeigt, dass der politische Wille vorhanden ist. Eine kostenlose und für alle obligatorische Primarschule ist heute eine Priorität der beninischen Regierung. Mangelnde Ressourcen erschweren jedoch die Umsetzung des Zehnjahresplans. 

Eine Schule der zweiten Chance 

Das ländlich geprägte Département Borgou liegt im Norden Benins an der Grenze zu Nigeria. Hier besuchen 54 Prozent aller 9- bis 15-Jährigen keine Schule. Der landesweite Durchschnitt liegt knapp 10 Prozent tiefer. 

Manche Kinder sind niemals zur Schule gegangen, andere haben sie abgebrochen, bevor sie Grundkenntnisse in Schreiben, Lesen und Rechnen erwerben konnten. Ohne eine solide Grundbildung werden diese Kinder Schwierigkeiten bei der sozialen und beruflichen Eingliederung haben.

In diesem Bereich finanziert die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit seit 2011 das Programm zur Förderung der Bildung und Ausbildung von Kindern ohne Zugang zum Bildungssystem (PAEFE) im Borgou. 

Dieses Programm wurde speziell für 9- bis 15-Jährige konzipiert: Neunjährige haben keinen Zugang mehr zur herkömmlichen Primarschule, Fünfzehnjährige dürfen eine Lehre beginnen. Priorität haben Mädchen, die am häufigsten Opfer von Fremdplatzierung und Zwangsarbeit sind, sowie Kinder, die betteln müssen, die Behinderungen haben oder die aus Nomadenfamilien stammen. 

Grundbildung und Einführung in die berufliche Praxis 

Der pädagogische Ansatz und der zweisprachige Unterricht (Lokalsprache und Französisch) sind den Bedürfnissen der verschiedenen Gruppen von Schülern angepasst. Das Bildungsangebot entspricht der Primarstufe und erlaubt Kindern, die nicht eingeschult wurden oder die Schule abgebrochen haben, Grundwissen zu erwerben und abschliessend die Prüfung für das Abschlussdiplom der Primarschule (CEP) abzulegen. Im Juni 2015 wurden erstmals nahezu 450 Kinder aus dem PAEFE-Programm zu dieser Prüfung zugelassen, 77 Prozent von ihnen bestanden sie. 

Um den Zugang junger Menschen zum Arbeitsmarkt zu erleichtern, sieht das Programm auch berufliche Einführungskurse vor. Diese Kurse sollen Jugendlichen den Zugang zur Berufsbildung in Bereichen erleichtern, die die Entwicklung auf lokaler Ebene fördern, darunter etwa Landwirtschaft, Viehzucht, Fischzucht, Gemüseanbau, Handwerk, Mikrokredit, Hygiene und Gesundheit, vereinfachte Buchhaltung, Organisation oder Leitung sozioökonomischer Aktivitäten. 

Bis zum Abschluss der ersten Phase des Programms wurden nahezu 90 Klassen in mehr als 50 zweisprachigen Barka-Zentren eröffnet. Insgesamt nahmen rund 2200 Kinder (davon 56% Mädchen) aus mehr als 70 Ortschaften des Borgou am Programm teil. 

Kontinuierlicher Dialog mit den lokalen Akteuren 

Das Programm soll die lokalen Akteure begleiten und ihre Kompetenzen erweitern. Die Unterstützung der einheimischen Akteure und die Zusammenarbeit mit ihnen – darunter dezentrale staatliche Dienste, Einrichtungen des Départements sowie Gemeinden und Gemeinschaften – werden kontinuierlich gefördert. Die intensive Mitwirkung der örtlichen Gemeinschaften, namentlich bei der Finanzierung der Kantinen, der Personalrekrutierung, den Bauarbeiten und dem Materialkauf, ist Ausdruck ihres Willens, sich in diesem Bereich zu engagieren. Langfristig geht es darum, die Gemeinden schrittweise in die Lage zu versetzen, die Verantwortung für die Umsetzung des Programms zu übernehmen. 

Ein Sprungbrett für die Zukunft 

Das Bildungsangebot im Rahmen dieses Programms ist ein Sprungbrett für die Zukunft dieser Kinder. Nach Abschluss der Ausbildung haben sie dank Passerellen erstmals oder erneut Zugang zum formalen Bildungssystem. Zudem haben sie die Möglichkeit, Sekundarschulen und selbst Hochschulen zu besuchen oder eine Berufsausbildung zu beginnen. 

Das PAEFE-Programm wird ab 2015 mit einer zweiten Phase von vier Jahren fortgesetzt. Es wird auf das Nachbardépartement Alibori im Norden von Benin ausgedehnt.