Schweizer Knowhow zur Förderung des Tourismus in den polnischen Karpaten

Projekt abgeschlossen
Polnische Unternehmer besuchen im Rahmen eines Ausbildungsaufenthalts zum Thema Tourismus eine Käserei in der Schweiz.
Polnische Unternehmer besuchen im Rahmen eines Ausbildungsaufenthalts zum Thema Tourismus eine Käserei in der Schweiz. © EDA

Die Schweiz schliesst in der polnischen Woiwodschaft Karpatenvorland ein Entwicklungsprogramm zur Förderung des Tourismus ab. Unterstützt wurden lokale Initiativen in den Bereichen Tourismus in ländlichen Regionen und Vermarktung von traditionellen Produkten. Der Wissenstransfer spielte dabei eine zentrale Rolle.

Land/Region Thema Periode Budget
Polen
Wirtschaftswachstum fördern und Arbeitsbedingungen verbessern
Regionale Entwicklung und Beschäftigung
01.04.2011 - 31.10.2016
CHF 4'818'388

Hinweis: Die Texte in allen Rubriken, mit Ausnahme «Erreichte Resultate», beschreiben die Situation vor Projektbeginn.

Die Woiwodschaft Karpatenvorland im Südosten Polens an der Grenze zur Slowakei und der Ukraine erstreckt sich über ein Gebiet, das fast halb so gross ist wie die Schweiz. Die Region zeichnet sich durch ein einmaliges Naturerbe aus. Sie verfügt über zehn Landschaftsparks, sechzehn Landschaftsschutzgebiete, siebzig Naturreservate und über das Biosphärenreservat Ostkarpaten im Bieszczady-Nationalpark.

Die Region leidet jedoch unter ihrer ländlichen Struktur und der geografischen Abgeschiedenheit am äusseren Rand Europas. Die Arbeitslosigkeit liegt bei über 17%, in den abgelegensten Gebieten sogar bei 20%. 61% der Bevölkerung leben in ländlichen Gebieten. Die Abwanderung der Jugendlichen, die anderswo Arbeit suchen, ist hoch.

Die DEZA hat soeben ein Programm zur Förderung des Wissenstransfers im Tourismussektor abgeschlossen. Daran beteiligt waren alle lokalen Akteure der Branche. Die polnischen Karpaten verfügen heute über ein Tourismusimage, eine Infrastruktur und ein globales Netzwerk, das es ihnen erlaubt, für die eigenen Vorzüge zu werben. Die Projekte konzentrierten sich hauptsächlich auf die abgelegensten Zonen im Karpatenvorland. Dazu gehören 24 der ärmsten Gemeinden Polens und Europas. Das Programm war Teil des Schweizer Beitrags an die erweiterte EU. Es verfügte über ein Gesamtbudget von 4,82 Millionen Franken.

Erfahrungsaustausch

Die Programmdurchführung dauerte fünf Jahre. Zu Beginn wurden mittels umfassender Analysen die Bedürfnisse und das Tourismuspotenzial erfasst, darauf folgte eine intensive Ausbildungsphase. Das für die Programmdurchführung zuständige Team vor Ort wurde auf eine Studienreise in die Schweiz eingeladen. Zusätzlich profitierten rund 460 Personen – lokale Unternehmer und Mitglieder von NGO – von massgeschneiderten Ausbildungsangeboten in Polen und in der Schweiz. Themen, die in den Schulungen behandelt wurden: Partnerschaften und Vernetzung, lokale Produktion, Umweltschutz, Kreativität und Innovation sowie nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen. Zahlreiche Fachleute aus dem Hotel- und Gastgewerbe und verwandten Sektoren wie Sport, Animation und Freizeit nahmen an den Kursen teil.

Nachträgliche Evaluationen zeigten, dass die Qualitätsstandards der Dienstleistungen des Tourismussektors im Karpatenvorland allgemein verbessert wurden. Die Hilfe der Schweiz erlaubte die Schaffung von 113 Arbeitsplätzen und zahlreichen kleinen Geschäften. Dank dem Erfahrungsaustausch entstanden zum Teil auch sehr originelle Ideen. Die Unternehmer, die an der Schulung teilnahmen, inspirierten sich vom Tourismusangebot der Schweiz und lancierten nach ihrer Rückkehr neue Ideen.

 «Made in Karpaty»

Hinter dem neu geschaffenen Label «Made in Karpaty» steckt viel Arbeit. Das Label zeichnet eine Reihe von Dienstleistungen und handwerklichen Produkten aus und soll der Region ein starkes Image verleihen. In einem strengen Verfahren wurden 80 Unternehmen und 162 Produkte für die Zertifizierung ausgewählt. Die Touristinnen und Touristen können heute in verschiedenen Geschäften Milchprodukte, Schokolade mit lokalen Früchten oder Kräuteraromen, Honig, Dekorationsgegenstände und andere lokal hergestellte Produkte kaufen. Die Tourismusförderung wurde durch ein solides Instrumentarium an Promotionsmitteln begleitet. Ein hübsches Luchsmaskottchen wirbt für die Gegend.

2016 – im Zeichen des Tourismus

2016 wurde gemäss den Zahlen der lokalen Tourismusagenturen ein aussergewöhnlicher Tourismusboom verzeichnet. Die Zuglinie im Bieszczady-Nationalpark beförderte über 127’000 Reisende, und die Bergregion zählte über 10’000 Wanderer. Solche Zahlen sind für den lokalen Tourismus einzigartig. Sie lassen hoffen, dass die polnischen Karpaten, ihre Unternehmen und ihre Bevölkerung guten Zeiten entgegen gehen.