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Articolo, 09.03.2015

Commento di Maya Tissafi, direttrice supplente della DSC e capo del settore di direzione Cooperazione Sud, in occasione della Giornata internazionale della donna.

Una ragazzina in fila con altre coetanee, tutte con il velo bianco, si volta per guardare l’obiettivo.
La prevenzione e la protezione dalla violenza di genere sono una priorità della DSC nel settore gender. ©

Wie steht es um die Gleichstellung der Geschlechter – hier in der Schweiz und in den Schweizer Partnerländern des Südens und Ostens? 2015 bietet sich als Zeitmarke an, um vertieft darüber nachzudenken, denn für die Gleichstellung von Frauen und Männern ist es ein besonderes Jahr: Vor 20 Jahren, an der Weltfrauenkonferenz von 1995 in China, wurden die Beijing-Deklaration und die Aktionsplattform  für die Gleichstellung der Geschlechter verabschiedet. Vier Jahre später lancierte auch die Schweiz einen nationalen Aktionsplan. 2015 ist auch das Jahr, in dem die Millenium-Entwicklungsziele auslaufen und die Weltgemeinschaft – im September – die Folgeagenda für eine nachhaltige Entwicklung  verabschieden wird. Der diesjährige internationale Frauentag ist daher ein guter Moment, Bilanz zu ziehen und nach vorne zu schauen.

Zweifellos, es wurde viel erreicht. Der Bilanzierungsbericht 1999–2014 des Eidgenössischen Büros für Gleichstellung und der Sektion Chancengleichheit im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten nennt gewichtige Meilensteine: Substanzielle Verbesserung des Bildungsniveaus von Frauen, das Recht auf Schwangerschaftsabbruch, bezahlter Mutterschaftsurlaub und die Festlegung der häuslichen Gewalt als Offizialdelikt sind nur einige der Errungenschaften. Wenden wir den Blick nach Süden und Osten, wo sich die DEZA für Armutsbekämpfung und nachhaltige Entwicklung einsetzt. Auch hier sind beachtliche Fortschritte zu vermelden: Die Armutsrate wurde halbiert, die paritätische Einschulungsrate von Mädchen und Jungen ist fast erreicht und der Zugang für Frauen zum Arbeitsmarkt und in die Politik hat sich verbessert. Diese Resultate sind positiv, sie sind allerdings ungleich verteilt: 70 Prozent der in äusserster Armut lebenden Menschen sind Frauen. Armut hat demnach nach wie vor eine ausgeprägte Genderdimension und betrifft Frauen in ländlichen Gebieten sowie in Ländern, die von Konflikten betroffen sind, ganz besonders.

Einige Zahlen zur Illustration: 2012 haben 40 Millionen Frauen ohne Begleitung einer ausgebildeten Fachperson geboren, über 32 Millionen dieser Geburten fanden in ländlichen Gebieten statt. 748 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, was für Frauen auf dem Land eine besondere Belastung darstellt. Frauen sind für 43 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion und für 60 bis 80 Prozent der Nahrungsmittelverarbeitung zuständig,  nehmen also eine zentrale Rolle in der Ernährungssicherheit ländlicher Gemeinschaften ein. Dennoch sind überdurchschnittlich viele Frauen und Mädchen mangelernährt. Auch die Produktivität ihrer Arbeit ist geringer, da ihnen der Zugang zu Technologien, Finanzen, Knowhow und Märkten fehlt. Frauen gehören auch lediglich 20 Prozent der Landtitel, obwohl Landrechte zentral sind für die Planungs- und Investitionssicherheit. Die grosse Mehrheit der Frauen im ländlichen Raum erwirtschaftet daher mit grossem Zeitaufwand minimalste Einkommen, über das sie oft nicht einmal selber verfügen können. Gleiche Chancen und Rechte ist für diese Frauen noch keine Realität. Ihr wirtschaftliches Potenzial wird nur ungenügend ausgeschöpft. Wir sind auch 20 Jahre nach Beijing und 15 Jahre nach der Millenniumsdeklaration noch immer unterwegs.

Wenn wir einen Schritt weiterkommen möchten, ist der Fokus auf die Wirtschaft zentral. Ökonomien wachsen, wenn Frauen berufstätig sind. Dies gilt für die Schweiz, wo die Frage, wie Frauen in den Arbeitsmarkt zurückzuholen sind (wieder einmal) heiss debattiert wird. Dies gilt genauso für die Entwicklungsländer: In den 15 grössten Entwicklungsökonomien könnte das Prokopfeinkommen um 14 Prozent bis 2020 und um 20 Prozent bis 2030 wachsen, wenn Frauen gleichermassen erwerbstätig wären wie Männer. Was aber hindert Frauen daran, arbeiten zu gehen – hier wie dort?

Wir wissen inzwischen, dass die Belastung durch unbezahlte Haushalts- und Familienarbeit (unpaid care work) ein kritischer Faktor ist. Wer sich im Haushalt und in der Kinderbetreuung engagiert und in welchem Ausmass, ist stark durch soziale Normen und festgefügte Genderrollen geprägt. Gemäss UNO-Berichten wenden Frauen weltweit mehr als doppelt so viel Zeit dafür auf. In armen Ländern erfordert die tägliche Haushaltsarbeit einen besonders hohen Zeiteinsatz, da oft weite Wege zurückgelegt werden müssen, um Wasser zu holen, Feuerholz zu sammeln und auch Kochen sehr zeitintensiv ist. Diese Arbeit wird fast ausschliesslich von Frauen und Mädchen geleistet. So zeigt eine Studie der Weltbank in 25 subsaharischen Ländern Afrikas, dass Frauen täglich mindestens 16 Millionen Stunden aufwenden, um Trinkwasser zu holen (weitere sechs bzw. vier Millionen Stunden werden von Männern und Kindern geleistet). Eine ungenügende Trinkwasserversorgung hat also nicht nur negative Folgen für die Gesundheit, sondern ist auch ein handfestes ökonomisches Problem: Die vielen Millionen Stunden, die täglich fürs Wasserholen verwendet werden, sind «verlorene» Stunden, die für die Schule, Arbeit oder Politik nicht zur Verfügung stehen. Im Fachjargon spricht man von «Wasser- und Zeitarmut» (water and time poverty).

Die DEZA nimmt diese Fragen in den Projekten in den Partnerländern auf. So konnte im Rusht Valley in Tadschikistan mit der neuen Wasserversorgung und den Zapfstellen im Dorf der Aufwand für Haushaltsarbeit von sechs auf zwei bis drei Stunden täglich verringert werden. Frauen und Mädchen, die die Mehrheit dieser Arbeit leisten, haben damit täglich bis zu vier Stunden «zusätzliche» Zeit zur Verfügung. Was machen sie mit dieser Zeit? Gehen nun mehr Mädchen länger in die Schule, erwirtschaften Frauen ein zusätzliches Einkommen für den Haushalt oder engagieren sich in lokalen Gremien? Wenn wir Gleichstellung als transversales Thema ernst nehmen, gilt es, diese Potenziale zu erkennen und zu nutzen. Die Schweiz unterstützt in Tadschikistan daher nicht nur Infrastrukturprojekte und stärkt die Effizienz öffentlicher Dienstleistungen in den Gemeinden, sondern setzt sich auch für die ökonomische Stärkung von Frauen ein und fördert ihre Partizipation in lokalen Wasserkommittees. Dabei wird darauf geachtet, dass die Projekte unterstützende Angebote integrieren, etwa zur Betreuung der Kinder, um die vielfältigen Belastungen der Frauen nicht zusätzlich zu erhöhen. Auf nationaler Ebene führt die Schweiz einen Menschenrechtsdialog, bei dem die Rechte der Frauen im Zentrum stehen und unterstützt die Regierung bei der Umsetzung des neuen Gesetztes zur Bekämpfung der weit verbreiten häuslichen Gewalt.

Für die neue Entwicklungsagenda gilt es auf den wichtigen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte aufzubauen – und einen Schritt weiter zu gehen. Die DEZA/Schweiz stellt die Gleichstellung der Geschlechter daher ganz ins Zentrum: Es gilt, soziale und rechtliche Diskriminierungen zu überwinden, ein gewaltfreies Leben für alle zu ermöglichen  und Frauen politisch und ökonomisch zu stärken. Dafür müssen sich Männer und Frauen gemeinsam einsetzen. Dann erst kann Entwicklung in allen Dimensionen nachhaltig sein – ökonomisch, ökologisch und sozial.

 

Eine gekürzte Fassung dieses Texts ist am Sonntag, 8. März 2015 in der Sonntagszeitung unter dem Titel «Einen Schritt weiter» erschienen.

Ultima modifica 28.01.2022

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