Honduras: Förderung des dualen Ausbildungssystems

Drei junge Männer arbeiten auf einer Baustelle.
Jugendliche in Honduras sollen mit einer Berufsausbildung eine Perspektive und neue Chancen erhalten. © DEZA

In Honduras verfallen viele Jugendliche den trügerischen Verlockungen von Jugendbanden und der organisierten Kriminalität. Mit Berufsbildungsangeboten setzt sich die Schweiz seit 2013 dafür ein, Jugendlichen eine Perspektive zu eröffnen und ihnen den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern.

In den benachteiligten Regionen von Honduras können Jugendliche dank einer Berufsbildung und des damit erzielten Einkommens aus dem Teufelskreis von Gewalt und Armut ausbrechen. Die Schweiz fördert seit 2013 mit Projekten Ausbildungsgänge im Tourismus und im Bausektor. Mit der Zeit soll das duale Ausbildungssystem in das honduranische Berufsbildungssystem integriert werden.

Angepasste Lehrmethoden zu erarbeiten sowie Sensibilisierungskampagnen vor Ort und Praktika in der Schweiz zu organisieren, gehören zu den Aufgaben der Projektteilnehmenden. Zurzeit besteht eine Zusammenarbeit mit dem Projekt «Projoven» in Honduras. Dieses verfolgt das Ziel, bestehende Berufsbildungsangebote qualitativ und quantitativ zu verbessern. Im Zentrum stehen Berufsbildungsangebote in der Bau- und Tourismusbranche, für die eine besonders hohe Nachfrage nach Arbeitskräften besteht. Unterstützt wird das Projekt vom nationalen Berufsbildungsinstitut (Instituto Nacional de la formación profesional – INFOP).

Mit ihrem Engagement leistet die Schweiz einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Gewalt in dem Land mit der weltweit höchsten Mordrate.

Delegationen aus Honduras in der Schweiz

Alle zwei Jahre findet in Winterthur der internationale Berufsbildungskongress statt. Im Rahmen der Initiative «Democratie sans Frontières» wurde jeweils eine Delegation aus Honduras zum Kongress und dem Rahmenprogramm der DEZA eingeladen. Die Delegationen sollen sich in erster Linie austauschen, und im gegenseitigen Lernen, sich über das Berufsbildungssystem der Schweiz informieren können. Die Teilnehmenden diskutieren auch über Möglichkeiten und Herausforderungen in Bezug auf eine Adaption des Schweizer Modells in Honduras.

Vom 4. bis 9. Juni 2018 sammelte ein Delegierter des grössten Unternehmerverbandes Honduras (COHEP) in der Schweiz Ideen für die Ausarbeitung eines Berufsbildungsgesetzes in Honduras. Er nahm am Berufsbildungskongress in Winterthur sowie an einem DEZA-Berufsbildungstag teil und konnte wertvolle theoretische und praktische Einblicke in die Funktionsweise des dualen Bildungssystems der Schweiz gewinnen.

Der Delegierte konnte sich ebenfalls direkt mit wichtigen Akteuren des Berufsbildungssystems austauschen, sowohl im Ausbildungszentrum für Elektroinstallation des Kantons Bern (KBVE) als auch in der Firma Böhlen Elektro in Schönbühl. Anschliessend wurden verschiedene Projekte des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks SAH besichtigt, z.B. das Bücherbergwerk oder das Restaurant La Cultina, welches Flüchtlingen eine Ausbildung im Gastronomiebereich ermöglicht. Mit dem SAH wurde über Möglichkeiten und Herausforderungen der sozialen Integration von benachteiligten Jugendlichen in den Arbeitsmarkt diskutiert.  

Der Besuch in diesem Jahr im Rahmen von DSF war nicht der erste dieser Art: Vom 20. bis 23. Juni 2016 war eine Viererdelegation aus Honduras, darunter der Projektleiter des DEZA-Berufsbildungsprojekts «Projoven», eine Vertreterin des nationalen Berufsbildungsinstituts INFOP sowie je ein Vertreter oder eine Vertreterin der nationalen Gewerbeverbände für das Bauwesen und den Tourismus, auf Besuch in der Schweiz. Im Rahmen des DEZA-Berufsbildungstags besichtigte die Delegation die technische Fachschule in Winterthur und das Unternehmen ENGIE sowie das Kompetenzzentrum für Bildung und Dienstleistungen in Land- und Ernährungswirtschaft. Tags darauf nahm die Delegation am internationalen Berufsbildungskongress in Winterthur teil, die mit einer Rede von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann eröffnet wurde. Des Weiteren erhielt sie, wie auch im Jahr 2018 einen Einblick in Projekte des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks (SAH). Die Gäste aus Honduras tauschten sich ausserdem mit Ausbildungsvertretern der Bau- und Hotelleriebranche aus.

Im Rahmen eines Abendessens hatte die Delegation die Möglichkeit, mit Therese Frösch, DSF-Projektbotschafterin und ehemalige Gemeinderätin der Stadt Bern, ins Gespräch zu kommen.

Vom 14. bis 19. September 2014 nahm eine Zweierdelegation aus Honduras, darunter eine Projektmitarbeitende des DEZA-Berufsbildungsprojekts „Projoven“ sowie ein Vertreter des nationalen Berufsbildungsinstituts INFOP, am internationalen Berufsbildungskongress in Winterthur teil und besuchte das Berufsbildungszentrum der Schindler AG in Ebikon. Die Delegation hatte die Möglichkeit, sich mit den beiden Projektbotschaftern Christoph Lindenmeyer, Präsident des Verwaltungsrates von Schindler Management AG und Peter Arbenz, Präsident der beratenden Kommission für internationale Entwicklungszusammenarbeit, sowie Experten aus Osteuropa, darunter der serbische Minister für Bildung, Wissenschaft und technologische Entwicklung, über die Berufsbildung auszutauschen.