Dürre und Hunger im südlichen Afrika – die Schweiz leistet Soforthilfe

Das südliche Afrika ist durch klimabedingte Wetterextreme von einer schweren Dürre betroffen. Nach Angaben der UNO droht Millionen von Menschen in Simbabwe, Sambia und Malawi Hunger, wenn nicht vor der nächsten Ernteperiode Hilfe in grösserem Umfang mobilisiert wird. Die DEZA unterstützt die drei Länder mit 4,7 Millionen Franken für die Bewältigung der drohenden Hungerkrise.

Ein Einheimischer steht in einem vertrockneten Maisfeld.

In Simbabwe, Sambia und Malawi müssen wegen der Dürre grosse Teile der Ernte abgeschrieben werden. © Tsvangirayi Mukwazhi

Laut dem UNO-Nothilfebüro OCHA bricht die Dürre im südlichen Afrika Rekorde: Simbabwe, der grösste Teil Sambias und das südliche Malawi erleben die schlimmste Trockenperiode seit mehreren Jahrzehnten. Zwischen Ende Januar und Mitte März dieses Jahres, mitten in der üblichen Regenzeit, fiel der Regen fast vollständig aus. Die Temperaturen lagen durchschnittlich fünf Grad höher als in den Vorjahren. Grund dafür ist unter anderem das Klimaphänomen El Niño, das im südlichen Afrika für Hitzewellen und Dürreperioden sorgt, welche durch den Klimawandel noch verstärkt werden.

Die Hitze und Trockenheit haben in weiten Gebieten zu schweren Ernteverlusten geführt. Mehr als 30 Millionen Menschen sind von Hunger, Unterernährung und Wasserknappheit betroffen. Alle drei Länder erwarten einen erheblichen Anstieg der Zahl der Menschen, die Nahrungsmittelhilfe benötigen, haben den Katastrophenzustand ausgerufen und um internationale Unterstützung gebeten.

El Niño mag zu Ende gehen, aber seine Auswirkungen sind noch lange nicht vorbei.
Adeyinka Badejo, stellvertretende Regionaldirektorin für das Welternährungsprogramm im südlichen Afrika
Eine Einheimische schöpft Wasser aus einem Erdloch.
Das Klimaphänomen El Niño, das im südlichen Afrika für Hitzewellen und Dürreperioden sorgt, ist unter anderem der Grund für die derzeitige Wasserknappheit und Ernährungsunsicherheit. © Tsvangirayi Mukwazhi

Menschen in Simbabwe, Sambia und Malawi brauchen dringend Nahrungsmittelhilfe

Etwa 70% der Bevölkerung im südlichen Afrika sind auf die Landwirtschaft als Lebensgrundlage angewiesen. In Simbabwe wirkt sich die Dürre auf fast das ganze Land aus: 70% der Maisernte – das Grundnahrungsmittel in der Region – müssen abgeschrieben werden. Bei anderen Kulturen kann ebenfalls lediglich mit einem Bruchteil der Ernte gerechnet werden. Das Welternährungsprogramm der UNO (WFP) schätzt, dass gegen Ende 2024 die Zahl der Simbabwerinnen und Simbabwer, die sich nicht ausreichend ernähren können, auf 6 Millionen, also mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung ansteigen dürfte.

Auch in Sambia ist die Lage katastrophal: 84 von 116 Distrikten sind von der Dürre betroffen, darunter die wichtigsten Getreideanbaugebiete. Auch die Lage der Viehbestände verschlechtert sich, denn in den von der Dürre betroffenen Regionen leben über 76% der Rinder. Gemäss Schätzungen der Regierung werden bis März 2025 fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung humanitäre Hilfe benötigen.

In Malawi haben einerseits die Trockenheit im Süden, andererseits Überschwemmungen im Norden zu schweren Ernteschäden geführt. Die Regierung in Malawi geht davon aus, dass 44% der nationalen Maisanbaufläche und 2 Millionen landwirtschaftliche Haushalte betroffen sind, was tiefgreifende Auswirkungen auf die Lebensgrundlagen und die Ernährungssicherheit hat.

Die Dürre im südlichen Afrika ist ein weiterer Beweis für die zunehmenden Auswirkungen von Klimakatastrophen auf das Leben der am meisten gefährdeten Menschen. Diese Krise erfordert, dass wir umfassend, wirksam und in grossem Massstab reagieren.
Ibrahima Cheikh Diong, stellvertretender UNO-Generalsekretär und Generaldirektor der African Risk Capacity Group

Kurz- und langfristiges Engagement der Schweiz für die Klimaresilienz

Um die Ernährungssicherheit der betroffenen Bevölkerung in den drei Ländern zu unterstützen, leistet die Schweiz Soforthilfe im Umfang von 4,7 Millionen Franken. Mit diesen Mitteln werden Bargeld und – wenn die lokalen Märkte kein ausreichendes Angebot mehr gewährleisten können – Nahrungsmittel an die dürrebetroffene Bevölkerung verteilt. Die Unterstützung erfolgt durch multilaterale und Nichtregierungsorganisationen mit nachgewiesener Erfahrung in Nothilfe und der Umsetzung von Sozialschutzprojekten und wird mit den Regierungen koordiniert.

Die Schweiz engagiert sich seit über zwanzig Jahren für mehr Wohlfahrt in den Ländern im südlichen Afrika. Seit Anfang 2023 konzentriert sie sich auf die beiden Länder Simbabwe und Sambia. Die Schwerpunkte liegen dabei auf nachhaltigen Ernährungssystemen, dem Zugang zu qualitativ guten Dienstleistungen, insbesondere im Gesundheitsbereich, sowie der guten Regierungsführung und Stärkung der Zivilgesellschaft.

Mehrere Projekte leisten konkrete Beiträge, um die Widerstandsfähigkeit gegen Klimakatastrophen zu erhöhen. So unterstützt die Schweiz beispielsweise die African Risk Capacity (ARC), eine Institution der Afrikanischen Union, über welche sich afrikanische Länder gegen Dürrekatastrophen versichern können. Die Schweiz hat 800'000 bzw. 200'000 US-Dollar an die Prämien der Dürreversicherungen von Simbabwe und Sambia für die laufende Saison beigesteuert und so die Versicherungsleistung erhöht. Da beide Länder von der Dürre betroffen sind, werden sie auch dank dieser Schweizer Unterstützung knapp 10 Millionen (Sambia) respektive 16,8 Millionen US-Dollar (Simbabwe) für die Dürrebewältigung erhalten.

In Sambia unterstützt die Schweiz zusammen mit der Weltbank und der UNO die Regierung dabei, ihr Sozialschutzsystem aufzubauen, das die arme Bevölkerung auch gegen Klimakrisen wappnet. Die Haushalte erhalten Sozialgeld, mit dem sie Ausgaben für Ernährung, Bildung oder Krisenbewältigung tragen können. Die Beiträge und der Empfängerkreis werden für die Dürrebekämpfung deutlich erhöht.

Zwei ausgestreckte Hände mit feuchter Erde in rechter und trockener Erde in linker Hand.
Dank ökologischer Landwirtschaft behält die Erde (links) trotz Dürre mehr Feuchtigkeit und Nährstoffe als mit konventioneller (rechts) Landwirtschaft. © Tobias Sommer / DEZA

Mehrere von der Schweiz finanzierte Projekte unterstützen überdies Kleinbäuerinnen und -bauern bei der Umstellung auf klimaresistentere, ökologische Landwirtschaft und Saatgut. Angesichts der Rekorddürre haben auch diese Landwirte Ernteausfälle zu beklagen. Ersten Berichten zufolge konnten sie aber dennoch mehr ernten als diejenigen, die konventionelle Methoden und Saatgut verwenden – was wichtige Erkenntnisse für einen besseren Umgang mit der unvermeidbaren nächsten Dürre birgt.

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