«Unfolded minute»: Erinnerungsort in Bern für die Schweizer Opfer des Nationalsozialismus
Im April 2023 beauftragte der Bundesrat das EDA mit der Realisierung eines Erinnerungsortes für die Opfer des Holocaust und des Nationalsozialismus mit Bezug zur Schweiz. Ziel ist es, einen lebendigen und interaktiven Ort des Erinnerns, Lernens und Dialogs zu schaffen. Der gewählte Standort auf der Casinoterrasse soll daran erinnern, dass die im nahegelegenen Bundeshaus getroffenen Entscheidungen weitreichende auf das Leben der davon betroffenen Menschen haben.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 sind in der Schweiz dank privater Initiativen mehr als 60 Erinnerungsorte entstanden. Es fehlte jedoch ein nationaler Ort, der all jener Opfer des Holocaust und der nationalsozialistischen Verfolgung gedenkt, deren Schicksal mit unserem Land verbunden war. Dazu gehören Jüdinnen und Juden, aber auch Roma, Sinti und Jenische, Homosexuelle, Menschen mit Behinderungen sowie politische Gegnerinnen und Gegner.
Auch Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer, die in Ländern lebten, in denen Nationalsozialismus und Faschismus präsent waren, wurden verfolgt. Menschen, die in unserem Land Zuflucht suchten, wurden aufgrund der damals geltenden restriktiven Politik an der Grenze abgewiesen. Ihnen ist nun ein Erinnerungsort gewidmet.
Kein isolierter Erinnerungsort
Der Erinnerungsort in Bern soll das Andenken an diese Zeit an jene Generationen weitergeben, die bald nicht mehr die Möglichkeit haben werden, die Stimmen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Überlebenden unmittelbar zu hören. Dies in einer Zeit, die von zunehmendem Rassismus und Antisemitismus sowie von Versuchen geprägt ist, den Holocaust zu relativieren.
Dieser Erinnerungsort ist Teil eines nationalen Konzepts. Der Bundesrat unterstützt in diesem Rahmen auch die Schaffung eines künftigen grenzüberschreitenden Informations- und Vermittlungszentrums in Diepoldsau im Kanton St. Gallen nahe der österreichischen Grenze. Mit Unterstützung des Bundesamtes für Kultur ist zudem ein nationales Netzwerk von Erinnerungsorten im Aufbau. Mit diesem Projekt nimmt der Bundesrat seine zentrale Verantwortung wahr, die Menschenwürde, die Rechtsstaatlichkeit und die Grundfreiheiten zu verteidigen.
«Unfolded minute»
Das Konzept des Erinnerungsortes «unfolded minute» wurde von der Auswahljury aus elf Vorschlägen ausgewählt. Das Projekt verbindet eine räumliche Intervention mit Klangelementen sowie einem Informations- und Vermittlungsangebot.
Das Herzstück der Installation bildet ein Metallband aus profiliertem schwarzem Stahl, das entlang der Stützmauer zwischen der Promenade und der Casinoterrasse verläuft. Dreimal pro Stunde wird es eine einzigartige, einminütige Klangsequenz erzeugen. Ergänzt wird die Anlage durch einen geschwungenen Pavillon auf der Casinoterrasse, der als Forum und Ort des Dialogs und Austauschs dient.
Zwei Bildschirme ergänzen das Projekt und vermitteln anhand individueller Schicksale die Geschichte der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs sowie den historischen Kontext des Nationalsozialismus. Künstlerisch präsentiert sich «unfolded minute» als ein mutiges und in der Gegenwart verankertes Werk. Insgesamt zeichnet sich das Projekt durch einen städtebaulich markanten und künstlerisch originellen Ansatz aus.
Links
Dokumente
Kontakt
Generalsekretariat GS-EDA
Bundeshaus West
3003 Bern