Schweizer Einsatz für die humanitäre Minenräumung 2025
Minen und explosive Kriegsmunitionsrückstände töten und verletzen Zivilpersonen und Kombattanten unterschiedslos. Auch lange nach Konfliktende, erschweren sie den humanitären Zugang sowie die Rückkehr der Bevölkerung und den Wiederaufbau. 2025 hat der Bund seinen Einsatz für die humanitäre Minenräumung weiter verstärkt und dabei, im Einklang mit dem Aktionsplan humanitäre Minenräumung 2023-2026, einen Fokus auf die Ukraine gelegt. Er berichtet anlässlich des Internationalen Tags der humanitären Minenräumung über seine Aktivitäten im Vorjahr.
Minen und andere explosive Kriegsrückstände, wie Blindgänger, haben selbst Jahrzehnte nach dem Ende von Konflikten noch verheerende Konsequenzen. Sie töten und verletzen jährlich Tausende Personen, Tendenz seit 2022 wieder steigend. Sie erschweren die Rückkehr vertriebener Personen, den humanitären Zugang sowie die nachhaltige Entwicklung und verhindern den Wiederaufbau. Die Schweiz setzt sich seit über 30 Jahren für die humanitäre Minenräumung ein und hat ihre Unterstützung 2025 weiter ausgebaut.
Entsprechend dem Aktionsplan Humanitäre Minenräumung 2023-2026 gliedert sich der Einsatz des Bundes in drei Aktionsfelder: 1) Förderung des normativen Rahmens, 2) Humanitäre Minenräumung vor Ort und 3) Innovation. Sie wendete letztes Jahr rund 46 Millionen CHF für die Umsetzung des Aktionsplans auf.
Minen und andere Kampfmittel, wie Blindgänger oder andere explosive Kriegsmunitionsrückstände, stellen auch noch Jahre nach Beendigung der Kampfhandlungen eine grosse Gefahr für die Bevölkerung dar. Die humanitäre Minenräumung trägt dazu bei, die gesundheitlichen, sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen von Minen und anderen Kampfmitteln zu reduzieren. Dabei geht es einerseits darum, Unfälle und neues Leid zu verhindern. Anderseits will sie die Rückkehr von Gemeinschaften, die von Konflikten betroffen sind, sowie deren nachhaltige Entwicklung ermöglichen. Deshalb umfasst sie neben den eigentlichen Räumungsarbeiten auch die Aufklärung über die Gefahren von Minen und anderen Kampfmittelrückständen, die Opferhilfe, die Überzeugungsarbeit für die Ächtung von Personenminen und Streumunition sowie die Vernichtung von Lagerbeständen.
Die fünf Pfeiler der humanitären Minenräumung:
Minenräumung
Aufklärung über Gefahren
Opferhilfe
Überzeugungsarbeit
Vernichtung der Lagerbestände
Aktionsfeld 1: Förderung des normativen Rahmens
Der Bund setzt sich dafür ein, dass die Übereinkommen über Personenminen und Streumunition von allen Staaten unterzeichnet, eingehalten und auf nationaler und internationaler Ebene umgesetzt werden. Dadurch soll der Einsatz dieser Waffen verhindert und den humanitären Konsequenzen vorgebeugt werden. Die Schweiz nutzt dafür sowohl multilaterale Treffen als auch bilaterale Kontakte. 2025 traten erstmals Staaten aus den beiden Übereinkommen zurück, was ein Rückschlag für die humanitäre Abrüstung und das humanitäre Völkerrecht als Ganzes darstellt. Die Schweiz setzt sich für die weitere Stärkung der Übereinkommen sowie deren Universalisierung ein.
Das EDA finanziert seit Jahren ein Förderprogramm für junge engagierte Personen in der humanitären Minenräumung.
Durch ein Projekt mit Mines Action Canada werden jährlich ca. 15 junge Personen aus betroffenen Kontexten, die in der humanitären Minenräumung aktiv sind, an die Vertragsstaatentreffen der Übereinkommen über Personenminen und Streumunition eingeladen und folgen dort einem Ausbildungsprogramm. Dadurch werden die Kapazitäten der jungen Minenräumerinnen und Minenräumer gestärkt, damit sie sich in Entscheidungsprozesse einbringen können. Zudem werden die multilateralen Treffen durch die Perspektiven dieser jungen Personen aus aller Welt bereichert.
Trotz jahrzehntelanger Arbeit verschiedenster Minenräumakteure steigen die von explosiven Kampfmitteln betroffenen Flächen weltweit wieder an, nachdem der Trend lange rückläufig war. Durch Projekte und Entsendungen von Expertinnen und Experten erhöht die Schweiz die Sicherheit der betroffenen Menschen, ermöglicht eine nachhaltige Entwicklung und trägt zur Friedensförderung bei. Nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe unterstützt sie dabei insbesondere die Entwicklung nachhaltiger nationaler Kapazitäten. 2025 unterstützte der Bund 11 Gebiete direkt durch die Finanzierung von Projekten und entsandte 17 Experten an 8 Einsatzorte. Nachfolgend finden sich zwei konkrete Beispiele dieser Aktivitäten.
Mehr als sechs Jahrzehnte bewaffneter Konflikt haben dazu geführt, dass viele ländliche Gebiete Kolumbiens mit Landminen und improvisierten Sprengkörpern belastet sind.
Über die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) unterstützt die Schweiz Kolumbien dabei, bis 2030 frei von Personenminen zu werden. Diese humanitären Bemühungen werden durch laufende Dialog- und Verhandlungsprozesse ergänzt, in denen die Schweiz über ihre Abteilung für Frieden und Menschenrechte (AFM) die verschiedenen Prozesse begleitet und somit unter anderem die Herausforderung des anhaltenden Einsatzes angeht und sich für den Zugang der Minenräumenden einsetzt.
Die Schweiz verbindet Friedensförderung mit humanitärer Minenräumung. 2025 unterstützte sie HumanicemosDH, die erste zivile Minenräumorganisation, die sich aus ehemaligen Kämpfenden zusammensetzt, und trug so zur Wiedergutmachung und zum Wiederaufbau bei. Ihre Erfahrungen inspirierten die Sondergerichtsbarkeit für den Frieden (JEP) dazu, die Minenräumung als mögliche Wiedergutmachungsmassnahme aufzunehmen.
Seit Ausbruch des jüngsten Konflikts im Sudan hat die Belastung mit Blindgängern und Minen deutlich zugenommen. Um die Bewegungsfreiheit der vertriebenen Bevölkerung sowie deren sichere Rückkehr in bewohnbare Gebiete zu ermöglichen, sind umfangreiche Massnahmen in der Gefahrenaufklärung und bei der Räumung notwendig.
Diese Arbeiten werden vom Minenräumdienst der Vereinten Nationen (UNMAS) koordiniert und unterstützt. Seit März 2025 entsendet die Schweizer Armee einen zivilen Logistikspezialisten an das UNMAS-Programm im Sudan.
Im Zentrum seiner Tätigkeit steht die Verwaltung der Ausrüstung von UNMAS. Dazu zählen insbesondere die Beschaffung, die Inventarführung sowie der Unterhalt der eingesetzten Mittel. Zudem koordiniert er den Import spezialisierter Geräte und Materialien für Entminungsarbeiten und stellt deren rechtzeitige Verfügbarkeit in den jeweiligen Einsatzgebieten sicher. Eine funktionsfähige Ausrüstung ist entscheidend für eine wirkungsvolle Unterstützung der Räumteams im Feld.
Mit der Entsendung eines Logistikspezialisten leistet die Schweiz einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung der humanitären Minenräumung im Sudan und trägt damit zur Verbesserung der Sicherheit zugunsten der Zivilbevölkerung bei.
Seit Februar 2022 ist die Ukraine zu einem der am stärksten verminten Ländern der Welt geworden. Schätzungen zufolge ist fast ein Drittel des ukrainischen Staatsgebietes, eine Fläche beinahe viermal so gross wie die Schweiz, möglicherweise durch Minen und andere Kampfmittel belastet. Deshalb hat die Schweiz im Aktionsplan humanitäre Minenräumung 2023-2026 einen besonderen Fokus auf die Ukraine gelegt. 2025 haben das EDA und das VBS dafür neue Projekte mit verschiedenen Partnerorganisationen initiiert. Der Bund arbeitet dabei insbesondere mit dem Genfer internationalen Zentrum für humanitäre Minenräumung (GICHD) sowie mit anderen Schweizer und internationalen Organisationen und Minenräummaschinenherstellern zusammen.
Das grösste Projekt der Schweizer Unterstützung an die humanitäre Minenräumung in der Ukraine, umgesetzt durch die Fondation Suisse de déminage (FSD), führt Risikoaufklärung und Räumungsarbeiten in den Oblasten Charkiw und Cherson durch. Bisher wurden über 400 000 m2 kontaminiertes Land freigegeben, was der Zivilbevölkerung einen sicheren Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen, Infrastruktur und grundlegenden Dienstleistungen ermöglicht.
Die FSD identifiziert kontaminierte Gebiete und räumt dieses anschliessend mit manuellen, tiergestützten und mechanischen Mitteln. Darüber hinaus wird durch Risikoaufklärung die Wahrscheinlichkeit von Unfällen verringert, wodurch der lokalen Bevölkerung auch wieder ein Gefühl der Sicherheit vermittelt wird.
Die Schweizer Organisation investiert auch in den Aufbau der Minenräumkapazitäten einer ukrainischen Minenräumorganisation. So trägt sie zur Nachhaltigkeit und zur nationalen Eigenverantwortung in der humanitären Minenräumung bei.
Die Technologie entwickelt sich rasant weiter, was grosses Potenzial für die humanitäre Minenräumung birgt. Der Bund fördert Bemühungen, die Akteure der humanitären Minenräumung in der Nutzung der innovativen Technologien und Ansätze zu unterstützen, um die humanitäre Minenräumung effizienter, wirksamer und sicherer zu machen.
Mit Unterstützung der Schweiz und anderer Geldgeber organisierte das Genfer internationale Zentrum für humanitäre Minenräumung (GICHD) im Oktober 2025 eine Innovationskonferenz in Luxemburg. Die Konferenz verknüpfte innovative Akteure aus dem Technologiesektor mit Minenräumoperateuren und ermöglichte einen Austausch darüber, wie Innovation die Minenräumung unterstützen kann. Dabei zielte die Diskussion insbesondere darauf ab, wie neue Ideen und forschungsbasierte Ansätze zur Lösung konkreter Probleme der Minenräumung im Feld genutzt werden können.