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MitteilungVeröffentlicht am 4. September 2026

«Das Gefahrenpotenzial ist im Einsatzgebiet nach wie vor hoch»

Nach der verheerenden Sturzflut in Nepal entsendet die Humanitäre Hilfe des Bundes Experten nach Kathmandu, um bei der Bewältigung der Folgen der Naturkatastrophe und der Vorbereitung des Wiederaufbaus Unterstützung zu leisten. Einer der Experten ist Eric Bardou. Das Mitglied des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe (SKH) wird in Nepal insbesondere die Risiken weiterer Naturgefahren evaluieren, um so die Arbeit der humanitären Helferinnen und Helfer und Situation der Menschen vor Ort sicherer zu machen.

Eine Frau steigt über die Trümmer eines zerstörten Hauses.

Herr Bardou, Sie reisen als «Geohazard Coordination Expert» nach Nepal. Was werden Sie dort konkret tun?

Ziel meines Einsatzes ist es, die nepalesische Regierung und die UNO dabei zu unterstützen, umweltbedingte Risiken, insbesondere unmittelbare Naturgefahren, zu berücksichtigen. Damit sollen die an den humanitären Hilfsmassnahmen beteiligten Personen geschützt werden. Konkret geht es darum, geologische Risiken wie Erdrutsche, Sedimentbewegungen sowie das Risiko von Folgehochwassern zu bewerten, die die humanitären Hilfsmassnahmen behindern oder sogar das Leben der ohnehin schon schwer getroffenen Bevölkerung gefährden können. Das Gefahrenpotenzial ist im ursprünglichen Einsatzgebiet nach wie vor hoch.

Eric Bardou steht auf einer Geröllhalde, im Hintergrund sieht man Berge.

Wie wichtig ist die Geohazard Coordination für die Bewältigung der Folgen der Sturzflut?

Die Umweltauswirkungen einer solchen Katastrophe können eine Vielzahl von kurz- und langfristigen Folgen nach sich ziehen. Denken Sie an Flusssysteme, in denen Anlagen zur Stromerzeugung aus Wasserkraft stehen, oder an zerstörte Ökosysteme. Weitere Beispiele sind die Übergänge auf beiden Seiten des Flusses, die den Zugang zu Feldern oder Schulen ermöglichen. Zusätzlich zu den oben genannten Risiken müssen auch Gefahren für wichtige Infrastrukturen wie Strassen, Brücken und Wohngebiete berücksichtigt werden. Da das Hochwasser alles mitgerissen hat, was sich ihm in den Weg stellte, könnten sich giftige oder gefährliche Stoffe über grosse Flächen ausgebreitet haben. Die Analyse all dieser Gefahren ermöglicht es, während der Notfallphase, aber auch beim Wiederaufbau der verwüsteten Gebiete die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die Gegebenheiten im Himalaya, die durch eine grosse Vielfalt an Gefahren gekennzeichnet sind, machen diesen Fall besonders komplex. Daher ist diese Koordinierung, die zahlreiche Fachgebiete einbezieht, von grosser Bedeutung.

Sie sind Mitglied des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH). Mit wem werden Sie in Nepal zusammenarbeiten?

Ich werde mich einem Team internationaler Fachleute anschliessen, das auf Ersuchen des Büros der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) mobilisiert wurde. Genauer gesagt handelt es sich um ein Katastrophenbewertungs- und Koordinierungsteam der Vereinten Nationen (UNDAC). Es wird unter der Leitung der nepalesischen Behörden und ihres nationalen Risikomanagementsystems arbeiten. Die DEZA hat der UNO bereits mehrfach Mitglieder des SKH zur Verfügung gestellt, die auf den Umgang mit solchen Katastrophen spezialisiert sind.

Welche Expertise bringen Sie aus der Schweiz mit – und wie einfach ist es, diese im Ausland einzubringen?

Ich arbeite seit Jahren im Wallis und bin Spezialist für die Gefahrenbeurteilung in den Bergen. Derzeit bin ich hauptsächlich für den Bund im Bereich der Staudammsicherheit tätig. Nehmen wir zum Beispiel die Rhône: Ihre Nebenflüsse haben in der Vergangenheit grosse Überschwemmungen verursacht. Es gibt ein umfangreiches Know-how zum integrierten Ansatz im Hochwasserschutz, zur Sicherheitsüberwachung grosser Infrastrukturen wie Staudämme sowie zu Überwachungs- und Warnsystemen, von denen die Aktivitäten der DEZA im Ausland profitieren können. Umgekehrt haben mir die internationalen Einsätze, die ich mit dem SKH durchführen durfte, ermöglicht, mich in sehr unterschiedlichen Situationen weiterzuentwickeln: von Steinschlagereignissen mitten in der Sahelzone bis hin zu den Ausläufern des Vulkans La Soufrière auf der Karibikinsel St. Vincent, aber auch bei den Gefahren im Gebirge im Pamir und im Himalaya. Im Bereich der Katastrophenvorsorge ist es sehr wichtig, möglichst viele unterschiedliche Fälle zu erleben.

Wenn ein solcher Einsatz nötig ist, haben Sie nicht viel Zeit für die Vorbereitung. Haben Sie als SKH-Mitglied deshalb immer einen gepackten Koffer zu Hause stehen? Und muss Ihr Arbeitgeber immer damit rechnen, dass Sie kurzfristig wegen eines Noteinsatzes abwesend sind?

Ja, das ist das Grundprinzip einer Milizorganisation wie des SKH. Man kann jederzeit einen Anruf von der Zentrale der DEZA erhalten, dann seine Sachen packen, berufliche und familiäre Verpflichtungen zurückstellen und schliesslich in ein Flugzeug steigen, um an einen anderen Ort der Welt zu reisen. Ich habe das Glück, eine flexible Vorgesetzte zu haben, die mir erlaubt hat, ohne Vorankündigung zu verreisen.

Medienmitteilung: Schweiz verstärkt Unterstützung für Nepal nach der verheerenden Sturzflut, 04.09.2026

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