Ernährungssicherheit für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern dank Mikroversicherung und Mikrokredit

Projekt abgeschlossen
Ein Instruktor spricht vor Bäuerinnen und Bauern, die im Kreis um ihn herum stehen
Erläuterungen zur Initiative R4 für die Landbevölkerung im Bezirk Balaka im Süden Malawi. (2014) © WFP/Rachael Wilson © WFP

Der Klimawandel bedroht die Ernährungssicherheit landwirtschaftlicher Kleinbetriebe in Sambia und Malawi. Ein Projekt, das Mikroversicherung, Mikrofinanzwesen und Katastrophenvorsorge kombiniert, stärkt ihre Widerstandsfähigkeit. Die ersten Ergebnisse aus Äthiopien und dem Senegal sind vielversprechend.

Land/Region Thema Periode Budget
Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft (SADC)
Landwirtschaft und Ernährungssicherheit
Landwirtschaftliche Entwicklung
Landwirtschaftliche Forschung
Förderung von landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette (bis 2016)
01.01.2011 - 30.06.2017
CHF 6'685'000

Angesichts chronischer Hungersnot ist Malawi immer wieder auf humanitäre Nothilfe angewiesen. Im Süden Sambias fällt die Ernte aufgrund des Klimawandels immer magerer aus.

Landwirtschaftliche Kleinbetriebe spüren die Auswirkungen der Ernährungsunsicherheit als erste. Die DEZA setzt sich deshalb in diesen beiden Ländern für die Umsetzung eines innovativen Projekts ein, das bereits in Äthiopien und im Senegal erprobt wurde. Rund 2500 Klein- und Familienbetriebe in Malawi und 1500 Betriebe in Sambia werden bis 2017 unterstützt. Geführt werden die Betriebe oft von Frauen oder Personen, die von HIV/Aids betroffen sind, zwei Bevölkerungsgruppen also, die besonders schutzbedürftig sind.

Mikroversicherung

Die Initiative R4 (Stärkung der ländlichen Widerstandskraft und Integration von Risiken) kombiniert vier Ansätze des Risikomanagements mit Bezug zum Klimawandel. Das Innovative dabei ist, dass die Initiative den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die am stärksten von Dürren oder Überschwemmungen betroffen sind, eine Mikro-Agrarversicherung anbietet. Im Falle eines Klimaschocks bzw. Ernteausfalls deckt die Versicherung die Ernährungskosten.

Kollektive Risikovorsorge

Ein ebenfalls innovativer Aspekt der Initiative ist, dass sie es den Bauern ermöglicht, die Versicherungsprämien durch gemeinschaftliche Arbeitsleistungen zu begleichen. Dabei handelt es sich um Projekte, die die Auswirkungen des Klimawandels auf die Bevölkerung vermeiden oder mildern sollen, z. B. Sanierung von Bewässerungssystemen, Verbesserung der Wasseraufnahmefähigkeit der Böden, Anwendung nachhaltiger Ackerbaumethoden, Strassenbau. Für Frauen, die alleine einen Betrieb führen, stehen Lösungen zur Verfügung, die auf ihre sehr knapp bemessene Zeit Rücksicht nehmen. Sie können beispielsweise einen Gemüsegarten nach ökologischen Grundsätzen pflegen und ihre Arbeitsstunden als Gemeinschaftsarbeit anrechnen lassen.

Die Initiative sieht ausserdem den Bau neuer Wetterstationen in Sambia und Malawi vor. Zusammen mit Satellitendaten über zu erwartende Niederschläge dienen die Werte dieser Stationen einerseits zur Berechnung der Versicherungsprämien und andererseits zur besseren Vorhersage schlechter Ernten. Renommierte Partner wie Swiss Re, NASA und Columbia University beteiligen sich ebenfalls am Projekt.

Leichterer Zugang zu Mikrokrediten

Ein dritter Ansatzpunkt des Projekts ermöglicht den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern einen leichteren Zugang zu Mikrokrediten. Lokale Mikrofinanzinstitute sind in der Regel nicht daran interessiert, Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zu ihren Kunden zu zählen. Mit dem System der Mikroversicherungen für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ändert sich die Ausgangslage, weil mit der Risikoversicherung die Rückzahlung garantiert ist. Gleichzeitig sollen die Mitarbeitenden von Mikrokreditinstituten in Schulungen lernen, wie sie das Verschuldungsrisiko ihrer Kreditnehmenden minimieren können.

Sparen als Risikovorsorge

In Kombination mit einer Mikroversicherung soll der Mikrokredit die Bauern ermutigen, in ihren Landwirtschaftsbetrieb zu investieren (Betriebsmittel, Einrichtungen), ohne befürchten zu müssen, im darauf folgenden Jahr alles zu verlieren. Das Projekt fördert auch kollektives und individuelles Sparen, um Mikroversicherungen langfristig nutzen und andere nicht gedeckte Krisen und Notfälle abfedern zu können (Tod, Krankheit usw.). Mit solchen Reserven können die Bauern ausserdem Investitionen tätigen, die nicht mit dem Landwirtschaftsbetrieb verbunden sind. Somit verbessert das Projekt nicht nur die Ernährungssicherheit der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, sondern stärkt auch ihre finanzielle Sicherheit, indem es ihr Einkommen steigert und diversifiziert.

Vielversprechende Ergebnisse in Äthiopien und im Senegal

Die 2011 vom Welternährungsprogramm (World Food Programme, WFP) und Oxfam America lancierte Initiative R4 ermöglichte es bereits 25’000 Bauern in Äthiopien und 6000 Bauern im Senegal, ihre Widerstandskraft gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels zu verbessern. Bäuerinnen und Bauern mit Versicherungsschutz können doppelt so viel Geld sparen wie andere. Sie investieren auch mehr in erstklassiges Saatgut, Dünger und in die Infrastruktur ihres Betriebs. Von Frauen geführte Betriebe konnten ihre Produktivität sogar verdoppeln.