Prähistorische Pfahlbaustätten

Die ältesten Textilien Europas, Muscheln, Gold, Bernstein, Tongefässe, Einbäume und Holzräder – ein unsagbar grosser Schatz unserer Vorfahren liegt in den Feuchtgebieten verborgen. Begünstigt von den guten Konservierungsbedingungen legen sie Zeugnis der frühsten menschlichen Geschichte ab. Obwohl sie fast alle unsichtbar sind und versteckt im Boden von Seen oder Ufern liegen, sind sie trotzdem von unschätzbarem Wert. 2011 wurden 111 prähistorische Pfahlbaustätten in sechs Ländern rund um die Alpen ins UNESCO-Welterbe aufgenommen.

Die Pfahlbaustätten rund um die Alpen. © palafittes.org
Zahlen und Fakten

Objekt

111 prähistorische Pfahlbaustätten in sechs Ländern um die Alpen. Die Pfahlbausiedlungen stammen aus der Zeit von 5000 bis 500 v. Chr. Sie befinden sich unter Wasser, an See- und Flussufern sowie in Feuchtgebieten. In der Schweiz liegen 56 der ausgewählten 111 Stätten dieses UNESCO-Welterbes.

Ort

Schweiz, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und Slowenien. In der Schweiz sind 15 Kantone beteiligt.

UNESCO-Ernennung

2011

Grund

Einzigartiges Zeugnis einer verschwundenen Kultur und hervorragendes Beispiel einer menschlichen Boden- und Wassernutzung unter dem Druck unaufhaltsamen Wandels (Kriterium IV und V der UNESCO-Richtlinien).

Das Besondere?

Die Pfahlbauten liefern präzise und detaillierte Erkenntnisse der Welt der frühen Bauern Europas – deren Alltagsleben, Landwirtschaft, Viehzucht und technische Innovationen. Durch die genaue Datierungsmöglichkeit der Reste hölzerner Architekturelemente können vollständige prähistorische Dörfer und ihre räumliche Entwicklung über sehr lange Zeit verfolgt werden. Die Funde sind zwischen 5000 und 500 vor Christus zu datieren und dokumentieren die rund 30 Kulturgruppen der Jungsteinzeit, Bronzezeit und der beginnenden Eisenzeit. Die Pfahlbauten stellen die besten archäologischen Quellen für prähistorische Siedlungen dar. An manchen Orten haben sich über die Jahrtausende Schichtfolgen von mehreren Metern Mächtigkeit, mit Resten von bis zu 25 übereinander liegenden Dörfern erhalten. Die Bauweise der Dörfer und ihrer Häuser war  sehr vielfältig: Es gab Reihen-, Zeilen-, Strassen- oder Haufendörfer, die Häuser selbst waren ebenerdig oder abgehoben angelegt. Jede Siedlung hat ihre eigene Geschichte, so dass sich die Fundstellen heute im seichten Uferbereich finden lassen (z.B. Bielersee), aber auch weitab vom See im verlandeten Hinterland (z.B. Zugersee) oder mitten in heutigem Stadtgebiet (z.B. Zürich) liegen können.

Das Welterbe und seine Swissness

Die prähistorischen Funde geben einen Einblick in die Entstehung und Entwicklung früher Agrargesellschaften rund um die Alpen. Ihr erstaunlich guter Zustand erleichtert die Schlussfolgerungen über den Zweck und die Funktion der Stätten. Seit Jahren erforschen die Kantone gemeinsam die Fundstücke. Die alltäglichen Gegenstände zeigen, wie die Leute früher gelebt und gearbeitet haben, und erschliessen uns die schweizerischen Wurzeln auf eine besondere Weise. Wer mehr zur heutigen Landwirtschaft lesen möchte, kann dies auf unseren Seiten tun.

Das Welterbe, als ob Sie da wären

UNESCO Welterbe - Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen
Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA